Amazon Prime Now :
Mit der Gebührenerhöhung macht sich Amazon das Leben schwer

Amazon erhöht seine Gebühren für den Lieferdienst Prime Now - und verschreckt damit die Kunden. Ein Zwischenruf von Lena Herrmann.

Text: Lena Herrmann

Amazon erhöht die Gebühren für Prime Now
Amazon erhöht die Gebühren für Prime Now

Amazon erhöht die Gebühren für seinen Lieferdienst Prime Now und schneidet sich damit ins eigene Fleisch. So verdoppelt sich der Mindestbestellwert für eine Gratis-Lieferung von 20 auf 40 Euro. Bleibt der Bestellwert darunter, werden 3,99 Euro fällig. Generell liegt der Mindestbestellwert ab sofort bei 15 Euro. Zudem verteuert sich die Lieferung binnen einer Stunde um einen Euro. Statt 6,99 Euro müssen die Kunden jetzt 7,99 Euro für den besonders schnellen Service zahlen. Die neuen Preise gelten ab sofort - ohne Vorankündigung und ohne Erklärung.

Der Grund liegt auf der Hand: Auch für Amazon kostet es Energie und Geld, besonders zügig zu liefern. Der Online-Handel mit Lebensmitteln ist kein einfacher. Neben logistischen Herausforderungen wie dem Einhalten der Kühlkette braucht es Personal, das sofort bereit steht, wenn Bestellungen eintrudeln. Offenbar hat Amazon gemerkt, dass mit den bisherigen Preisen kein Geld zu verdienen ist - oder das Unternehmen hat von Anfang an geplant, seine Preisstruktur nach einer ersten Kennenlernphase anzupassen. Mittlerweile kooperieren eine Reihe von Unternehmen mit Amazon.

Höhere Kosten erhöhen die Hemmschwelle

Doch für die Verbraucher spielen die Gründe für die Preiserhöhung keine Rolle - zumal sich Amazon nicht erklärt. Beim Konsumenten kommen nur die deutlich höheren Kosten an. Und die Gefahr, dass sich viele von Amazon als Lebensmittellieferant abwenden, ist durchaus vorstellbar. Vor allem die Anhebung der Bestellmenge für eine Gratislieferung wird viele abschrecken, positioniert sich Prime Now doch als Lieferdienst für Spontaneinkäufe. Wer noch schnell einen Liter Milch braucht, zögert, wenn er für eine kleine Menge auch noch Liefergebühren bezahlen muss. Positiv ist immerhin, dass Amazon die Mindestbestellmenge auf 15 Euro senkt.

Preiserhöhungen sind für den Kunden immer schmerzhaft und lassen bisherige Verwender abspringen. Zumal sich Amazon mit seiner Vielzahl an Services und Angeboten das Image erarbeitet hat, günstiger als die Konkurrenz zu sein. Zwar können die meisten Lieferdienste nicht mit der Schnelligkeit der Amazon-Lieferung mithalten, doch das Tempo ist nicht für jeden Lebensmitteleinkäufer ausschlaggebend. Gut möglich, dass die Preiserhöhungen die Hemmschwelle erhöhen, den Lieferservice auszuprobieren. Besonders in Städten, in denen Amazon mit seinem Angebot vertreten ist, ist die Supermarktdichte hoch und Alternativen zum spontanen Online-Einkauf möglich.

Prime Now gibt es aktuell nur in Berlin und München. Um Prime Now verwenden zu können, müssen Kunden ein Prime-Abo besitzen. Erst im Februar hat Amazon den Jahresbeitrag für das Abo von 49 Euro auf 69 Euro angehoben.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.