Social-Media-Wette :
Mit dieser Weihnachtsaktion erzürnt ein Rewe-Markt Eltern und das Netz

Wenn Schulkinder in der Schulzeit für Rewe einen Werbetext singen und dafür auch noch Geld bekommen, ist das alles andere als witzige Weihnachtswerbung.

Text: Yvonne Göpfert

Der Rewe-Markt im Carre Badenstedt wirbt stolz für seine Werbeaktion mit Schulklassen
Der Rewe-Markt im Carre Badenstedt wirbt stolz für seine Werbeaktion mit Schulklassen

Alles ist käuflich - sogar Schulkinder. Rewe bot dem Förderverein einer Grundschule in Hannover 500 Euro dafür, dass diese im Rewe-Markt vor Ort mindestens 50 kleine Weihnachtsmänner vorbeischickt, die ein Loblied auf die Supermarktkette singen, wie Spiegel Online berichtet. 

Flugs verkleideten sich Lehrer und 70 Schüler und machten sich auf den Weg in die Filiale. 12 Uhr war die Deadline – der Verdacht  liegt nahe, dass die Grundschüler zu dieser Zeit eigentlich noch Mathe oder Deutsch hätten pauken sollen. Stattdessen trällerten sie: "Rewe hat, was jeder mag, heisa, welche ein Freudentag!"

So reagierte das Netz auf die Rewe-Aktion

Viele Eltern waren über die Aktion empört und auch die Kommentare unter dem Spiegel-Artikel sprechen eine deutliche Sprache: Werbung und Schule gehen nicht zusammen.

Kommentare auf Spiegel Online

Auf Spiegel online war die Empörung groß

Reaktionen auf Facebook

Auch die Facebook-Gemeinde hält nicht viel von der Aktion. So schreibt Userin Dieu Phab: "Stimmt es, dass die Kinder ein Weihnachtslied singen mussten was zu ein Werbelied für Rewe umgewandelt wurde? Ist das nun Spende oder Bezahlung für Werbung? Ich finde es bedenklich, wenn Kinder für die eigene Werbung instrumentalisiert werden..."

Doch auf der Facebookseite des Rewe-Marktes wurden kritische Kommentare offenbar gelöscht. Dieser und ähnliche Kommentare waren zu lesen: "Mein kritischer Kommentar dazu, dass Kinder auf Schulunterricht verzichten müssen um Werbung zu machen wurde auch gelöscht. Vorschlag: Wenn schon löschen, warum dann nicht den ganzen Beitrag? Dann kann keiner mehr meckern. Oder mal Gegenargumente bringen, ich vertrage das." (Stefanie Hesse)

So reagierte Rewe

Nun stellt sich die Frage, welcher Dilettant sich diese Werbeidee ausgedacht hat. Schüler und Jugendliche gelten durch Werbung als leicht beeinflussbar. In der Schule ist Werbung daher verboten. Rewe nimmt es laut Spiegel Online gelassen: "Der "lokal integrierte Marktverantwortliche würde damit gesellschaftliches Engagement mit einem Gaudi verbinden", so die Rewe-Pressestelle gegenüber Spiegel Online. Wo und wie häufig solche Gaudi stattfinden, ist dem Handelsunternehmen zwar nicht bekannt, aber Beschwerden habe es bislang noch keine gegeben.

Marketing-Profis wundern sich: Die Argumentation, gesellschaftliches Engagement erlaube es, sich Regeln und Gesetzen gegenüber hinwegzusetzen, ist fast ebenso peinlich wie die Werbeaktion selbst. 


Autor:

Yvonne Göpfert
Yvonne Göpfert

ist Expertin für digitales Marketing und Multichannel-Commerce. Sie liebt VR, AR und ein bisschen auch KI und probiert aus, was die neuen Technologien so leisten. Zum Stressausgleich beschäftigt sie sich ganz analog mit Kräutern. Und mischt sie zu Tinkturen, Hustensirup oder leckeren Kochrezepten.