Originelle Freelancer-Bewerbung :
Mit richtig miesem Gesang auf Kundenakquise

Die Art-Direktorin Jeanette Bouffier singt mies. Doch mit viel Selbstironie wird ihr Song zu "einer der coolsten Freelancer-Bewerbungen, die wir je erhalten haben".

Text: Verena Gründel

Mit solch einer Schallplatte bewarb sich Jeanette Bouffier bei Werbeagenturen.
Mit solch einer Schallplatte bewarb sich Jeanette Bouffier bei Werbeagenturen.

Nicht jeder hat den Mut, seine Schwächen zu zelebrieren. Und damit auch noch auf Kundenakquise zu gehen. Schon gar nicht, wenn es ums Singen geht. Damit ein solcher Fail zum Erfolg wird, braucht es Selbstironie, eine tolle Idee und – Alkohol. All das hatte die selbstständige Art-Direktorin Jeanette Bouffier.

... wenn da nicht das Video wäre

Sie sendete mehr als 70 uralte Schallplatten von "Bauer Alfons und seine Almdudler" bis "Richard Clayderman" an potenzielle Kunden. Darauf ein Aufkleber "Lieber was, das rockt?" mit der URL zu ihrer Webseite. Das machte neugierig und wäre schon an sich aufmerksamkeitsstark genug – wenn da nicht das Video auf der Landingpage wäre. 

Das Video zeigt sie – furchtbar schief – singend im Tonstudio: "One Call Away" von Charlie Puth. Sie entschuldigt sich: "Sorry, ich kann nur Ideen, die rocken."

Denen, die lang genug durchhalten, blendet sie ihre Telefonnummer ein. Viele haben tatsächlich durchgehalten und sie danach angerufen, erzählt sie gegenüber W&V.

Jeanette Bouffier

Singen kann Jeanette Bouffier nicht, aber Ideen entwickeln.

Cool, schrecklich, geil

Die Antworten reichten von "Das war eine der schrecklichsten Freelancer-Bewerbungen, die wir je erhalten haben, aber auch eine der coolsten." über einfach nur "Geil!" bis zu einem kompletten Songtext der Platte von Peter Alexander, die einer der Empfänger abgetippt und ihr geschickt hatte. 

Auf die verrückte Idee sei sie tatsächlich mithilfe von Alkohol gekommen, gibt Jeanette Bouffier zu. Auf einer Party hatten ihr Freunde gesagt, dass sie wirklich grauenhaft singen könne. Als sie Musik für ein Projekt aussuchen sollte, hat sie die Idee, selbst zu singen, weitergesponnen. Im Tonstudio brauchte sie dann aber wieder alkoholische Unterstützung, um sich zu trauen, den Jingle tatsächlich einzusingen. 

Als Sängerin sei sie trotzdem nicht buchbar, schreibt sie in ihren FAQs. Nur wenn man ihr ganz viel Geld böte. Aber für Marketing- und Werbekampagnen aller Art sei sie immer zu haben. Mit der Rücklaufquote ihrer Akquiseaussendung an die großen Werbeagenturen ist sie sehr zufrieden.

Wenn man kreativ ist, lustig und sich auch mal selbst lächerlich macht, kann man seine Kunden begeistern, lautet ihr Fazit. 


Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.