Apple Park :
Mitarbeiter finden Apples neue Konzernzentrale fürchterlich

Die Mitarbeiter von Apple sind noch nicht in den neuen Supercampus eingezogen, da regt sich schon deutliche Kritik.

Text: Leif Pellikan

Apple Park, wie ihn Apple in einem Video präsentiert.
Apple Park, wie ihn Apple in einem Video präsentiert.

Die Mitarbeiter von Apple sind noch nicht in den neuen Supercampus eingezogen, da regt sich schon deutliche Kritik. Die offenen Räume, die großen Tische - Apples Mitarbeiter werden sich umstellen müssen, denn die meisten haben im Moment ihre eigenen Büros. Das gilt nicht nur für das alte Hauptquartier am One Infinite Loop, sondern auch für die diversen Gebäude, die Apple in der Gegend angemietet hat. Das neue Gebäude, das Sir Norman Foster nach den Ideen von Steve Jobs entworfen hat, baut dagegen massiv auf Großraumbüros. Und diese sind laut dem Podcast von John Gruber bei den Mitarbeitern alles andere als beliebt.

Der Betreiber von Daring Fire habe diverse Mails bekommen, in denen sich Apple-Mitarbeiter beschweren. Insbesondere die Entwickler hätten wenig Lust ihre kleinen oder Einzelbüros durch endlose Tische in großen, offenen Büros zu tauschen. Noch nicht einmal die in den USA üblichen Cubicles sind vorgesehen, also keine mit Stoff überzogenen Papp- oder Sperrholzboxen, die die Arbeitsplätze von anderen trennen. Statt dessen hat Apple Design-Chef Jonathan Ive rund 500 sechs-Meter-Tische beim niederländischen Designhersteller Arco bestellt. Laut Gruber soll Apples Entwicklungschef der Prozessoren, Johny Srouji, angeblich tief erschüttert gewesen sein, als er die ersten Pläne des neuen Campus sah. Laut Gruber sprach er kolportiert von einem "ganz großen Mist". Dabei ist sein Team nur in einem Nebengebäude untergebracht und muss nicht wie 12.000 Kollegen in den Ring ziehen.

Auswirkungen des gigantischen Apple-Ufos

Bereits im Juni hatte "Wired" über einen "Anachronismus in Glas" geschrieben. Hier richtete sich die Kritik gegen die städtebaulichen Auswirkungen des gigantischen Ufos. Der in Stahl und Glas geformte Gigantomanismus gebe keine Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Sprich, er löst keines der akuten Transport- und Wohnungsprobleme des Silicon Valleys und verbessert auch nicht die lokale Wirtschaft. Allein zwischen 2010 und 2015 entstanden in der Bay Area 640.000 neue Jobs, davon ein Drittel in der Tech-Industrie. Eine Folge sind laut Core Logic Durchschnittspreise von 800.000 Dollar für ein amerikanisches Einfamilienhaus. Im San Mateo County, zwischen Google, Facebook und Stanford und San Francisco im Norden, liegen die Preise bei 1,4 Mio. Dollar.     

Noch ist der neue Bau nicht komplett bezogen, Design-Chef Ive will beispielsweise erst im Spätherbst umziehen. Aber schon von Beginn an wird in Frage gestellt, ob der Trend zu Großraumbüros wirklich mitarbeiterfreundlich ist. Das ist, wie auch von Gruber thematisiert, vor allem bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern ein gewichtiges Thema. Aber Apple dürften Großraumbüros vermutlich keine Nachteile einbringen. 

Großraumbüros in München

Auch im Münchner Büro sitzen nahezu alle Apple-Mitarbeiter in großen Räumen. Kleinere Räume oder gar Einzelbüros sind im dortigen "Silicon-Alley"-Komplex einer überschaubaren Zahl an Apple-Führungskräften vorbehalten. Der Name ist inzwischen für die Arnulfstraße neben der Bahnhaupttrasse durchaus zutreffend. Dort oder in Nebenstraßen sind inzwischen die Büros von Konzernen wie Apple, Google und Salesforce sowie von Digitalagenturen wie Sapient und Possible zu finden. Die meisten setzen auf offene Arbeitsatmosphäre. 

TechCrunch zeigt Bilder aus dem Inneren des Apple-Campus.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach.