Unternehmensstrategie :
Modemarke Bench insolvent

Bench Limited sieht keinen anderen Ausweg: Die britische Modemarke hat Insolvenz angemeldet. Und hofft nun auf Besserung.

Text: Susanne Herrmann

Starke Marke mit sinkenden Umsätzen: Bench machte sich einen Namen mit sportlicher Mode, vor allem Kapuzenpullis.
Starke Marke mit sinkenden Umsätzen: Bench machte sich einen Namen mit sportlicher Mode, vor allem Kapuzenpullis.

 Im kommenden Jahr würde Bench 30 Jahre alt. Die Modemarke, die ihre Wurzeln in der britschen Skater-Szene und im Britpop sieht, hat es innerhalb dieser Zeit geschafft, in 34 Ländern präsent zu sein. Hergestellt wird vor allem Freizeitmode. Bekannt ist Bench aus Manchester vor allem für seine Hoodies, Kapuzen-Sweatshirts.

Am Montag stellte das Unternehmen in Großbritannien einen Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das wird laut Information des Unternehmen "auch die deutschen Dienstleistungsgesellschaften von Bench mit Sitz in München". Von München aus wirkte nicht nur bis vor Kurzem CEO Bruno Sälzer, sondern hier saß inzwischen auch die Designabteilung und die Großkundenbetreuung. Die besten Geschäfte machte Bench dem CEO zufolge in Kanada, gefolgt von Deutschland und Großbritannien.

Als Gründe für den Insolvenzantrag führt Bench Limited den schwierigen Einzelhandelsmarkt in Großbritannien sowie "ein größeres Logistikproblem 2016" an. Vorstandschef Barry Knight:  "Durch die Abwertung des britischen Pfunds, den starken Wettbewerb und dem rückläufigen Markt in unserem Modebereich haben wir viel Gegenwind erfahren. Letztlich war es uns nicht mehr möglich, zusätzliche Liquidität für das Unternehmen aufzubringen, weder auf Eigenkapital- noch auf Fremdkapitalbasis."

Was Bruno Sälzer plant

In den vergangenen Jahren hatte es Bench mit wechselnden Kapitalgebern zu tun; seit 2014 ist der Eigentümer der deutsche Investor Emeram Capital Partners aus München.

Ende desselben Jahres hatte Bruno Sälzer die Leitung des Unternehmens übernommen. Er war früher Manager der Modefirmen Hugo Boss und Escada und ab 2014 mit 15 Prozent an der Tochtergesellschaft Emeram Urbanics Holding Ltd. beteiligt, zu der auch Bench gehört. Im März dieses Jahres wurde bekannt, dass Sälzer geht. Laut dem Wirtschaftsmagazin Capital wollte der Manager sich auf seine Aufsichtsratsmandate bei Amer Sports, Lacoste und Deichmann konzentrieren, an seiner Unternehmensbeteiligung aber festhalten. 

Sälzers Plan kurz nach seinem Einstieg bei Bench: "Wichtig ist für mich, dass ich mich an Bench langfristig unternehmerisch beteiligen kann." Seiner Einschätzung nach sei Bench eine "hochspannende Marke" für eine Zielgruppe, "die für die Modebranche immer mehr an Relevanz gewinnt". Junge Menschen, Musikfans, Digital Natives. Um sie zu erreichen, gab Bench laut Sälzer rund fünf bis zehn Prozent des Umsatzes (von rund 100 Millionen Euro) für Marketing aus.

Zielgruppenpotenzial, aber keine wirtschaftliche Basis

Doch die Umsätze sind Presseberichten zufolge in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Barry Knight, Direktor der Bench Limited: "Wir alle bei Bench haben unermüdlich daran gearbeitet, den Turnaround des Geschäfts zu erreichen. Unser Eigentümer hat uns mehrmals mit zusätzlichem Kapital unterstützt, um wichtige Investitionen in neue Filialen und Mitarbeiter zu tätigen. Es ist uns dennoch nicht gelungen, das Unternehmen auf eine wirtschaftlich nachhaltige Basis zu stellen."

Nun soll gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter die "bestmögliche Lösung in dieser Situation" gefunden werden.

Trotz der "zahlreichen Herausforderungen" ist Knight zuversichtlich, "dass die Marke Bench eine Zukunft hat, da sich die Marke sowohl in Großbritannien, Deutschland und auch international vermarkten lässt".


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.