"Jahrbuch Sucht" belegt weniger Raucher :
Mortler beharrt auf Verbot von Tabak-Außenwerbung

Laut dem aktuellen "Jahrbuch Sucht" wird weniger geraucht, dafür viel getrunken. Die Bundes-Drogenbeauftragte Mortler fordert dennoch ein Verbot der Tabak-Außenwerbung noch vor der Bundestagswahl. 

Text: W&V Redaktion

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), beharrt auf einem Verbot der Tabak-Außenwerbung noch vor der Bundestagswahl im September. "Professionell gemachte Tabakwerbung wirkt. Sie prägt das Image des Rauchens und suggeriert Jugendlichen, Rauchen sei eine saubere und harmlose Sache", sagte Mortler der Deutschen Presse-Agentur. Ein schon im vergangenen Frühjahr vorgelegter Gesetzentwurf gegen die Tabakaußenwerbung wurde immer wieder auf die lange Bank geschoben, weil es in der Unionsfraktion sowie in Teilen der SPD Widerstand gibt.

Auch die Werbewirtschaft und die Kommunen fürchten um beträchtliche Einnahmeverluste, so dass auch hier die Vorbehalte gegen ein solches Verbot erheblich sind. Das Verbot würde in Kinos Tabakwerbung ebenfalls stark einschränken. Mortler und Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) läuft denn auch die Zeit davon.

Die Drogenbeauftragte verwies darauf, dass jährlich 120.000 Tabaktote immenses Leid für die Familien bedeuteten. Zudem verursache Rauchen riesige Kosten für Unternehmen und das Gesundheitssystem. "Es kann doch nicht sein, dass wir mit ein paar Millionen Euro im Jahr Aufklärungsarbeit zu den Gefahren des Rauchens in Schulen machen, es aber zulassen, dass die Tabakwirtschaft im gleichen Zeitraum ein Vielfaches dieses Betrags in Außenwerbung investiert, die genau das Gegenteil bezweckt", sagte Mortler.

"Jahrbuch Sucht": Mehr Alkohol, weniger Zigaretten

Doch offenbar zeigen Maßnahmen gegen das Rauchen Wirkung. Experten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) informieren an diesem Dienstag über die Lust der Bundesbürger auf Tabak, Alkohol und illegale Drogen. In Berlin stellen sie das neue "Jahrbuch Sucht 2017" vor. 

Demnach haben Menschen in Deutschland unverändert große Lust auf Alkohol, greifen aber deutlich seltener zur klassischen Zigarette. Noch rund 920 Fertigzigaretten rauchte jeder Einwohner statistisch gesehen im vergangenen Jahr, rund 100 weniger als 2012. 

Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene rauchten deutlich weniger als in den Jahren zuvor. E-Zigaretten sind laut Bericht bislang kaum im Alltag der Menschen angekommen. Seit längerem starke Zuwächse gibt es dagegen bei der Nachfrage nach Pfeifentabak, etwa für Wasserpfeifen.

DHS: Werbeverbote zeigen Wirkung

Argumente für eine Lockerung von Werbeverboten sehen die Experten jedoch nicht, im Gegenteil: "Wie diese Zahlen zeigen, waren die in den letzten Jahren umgesetzten Maßnahmen der Tabakprävention wie auch diejenigen der Tabakkontrollpolitik durchaus erfolgreich", heißt es in einer Pressemitteilung der DHS. "Ihre konsequente Fortführung und Intensivierung ist für eine nachhaltige Verringerung des Tabakkonsums jedoch unbedingte Voraussetzung". 

Keinen Grund zur Entwarnung sehen die Experten auch bei Bier, Wein, Schnaps und Co. Der Konsum stagniert demnach seit 2013. Auf jeden Bundesbürger kam nach jüngsten verfügbaren Schätzungen im Jahr 2015 knapp ein Putzeimer reinen Alkohols: 9,6 Liter. Den Verbrauch in Deutschland schätzten die Jahrbuch-Autoren im internationalen Vergleich als "besonders hoch" ein. (dpa/fs)


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