Für die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch kritisiert der Verband den Ansatz. "Den VZBV freut es, dass große Lebensmittelhersteller endlich eingesehen haben, dass eine Ampelkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmitteln Verbraucherinnen und Verbrauchern eine wichtige Hilfestellung bei ihrer Kaufentscheidung bietet", sagt VZBV-Vorstand Klaus Müller.

Aber: Nur auf den ersten Blick sei der Vorschlag ein Durchbruch. Denn: "Es gibt kein einheitliches Verständnis darüber, was 'eine Portion' ist - Menschen essen nicht immer gleich große Portionen", sagt Müller. Mit dem Vorschlag würde vielmehr "der Vergleich des Nährstoffgehalts verschiedener Lebensmittel sogar erschwert und kann in die Irre führen". Der VZBV forderte die Konzerne auf, einen einheitlichen Wert von 100 Gramm oder 100 Millilitern zu verwenden, um die Produkte besser vergleichen zu können.

Ähnlich lautet die Kritik der Grünen im Bundestag: Der Vorschlag sei zur Orientierung für die Verbraucher "leider völlig ungeeignet – schlimmer noch: Es ist Verbrauchertäuschung, wenn Zucker-, Fett- oder Salzgehalt pro Portionsgröße und nicht pro 100 g bzw. 100 ml den Ausschlag geben", weil die Unternehmen selbst festlegen, was eine Portion ist.

Der Verbraucherschutzverband Foodwatch fordert ebenfalls (und seit Jahren) Ampel-Angaben auf Basis von 100 Gramm. Denn mehr als die Hälfte der Erwachsenen und jedes fünfte Schulkind in der EU sei übergewichtig.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) lehnt Ampel-Kennzeichnungen bisher ab, ebenso wie das EU-Parlament. Seit Ende vergangenen Jahres müssen verpackte Lebensmittel in der EU durch eine einheitliche Nährwerttabelle gekennzeichnet werden, die Nährstoffgehalte bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter angibt. Dies gilt für den Brennwert (Kalorien), Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Verbraucherschützer sehen weiterhin Schwächen der Vorgaben, da sie beispielsweise nicht für Alkohol gelten. Und nicht übersichtlich sind. (sh/dpa)

 



Susanne Herrmann
Autor: Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.