Wie hoch ist das Marketingpotenzial?

Auf dem NFT-Markt werden aber nicht nur Kunstwerke gehandelt. So hat Twitter-Gründer Jack Dorsey ein NFT zu seinem ersten Tweet erstellt und für über 2 Millionen Euro versteigert. Ein weiteres Beispiel ist das Spiel Cryptokitties, eine Mischung aus Tamagotchi und virtuellen Sammelkarten, bei dem Spieler:innen digitale Comic-Katzen sammeln. Jede davon ist einzigartig. Bringt man zwei Katzen zusammen, entstehen dabei neue, von einem Algorithmus generierte Kätzchen. Manche dieser Kätzchen werden zu Preisen um 100.000 Euro gehandelt. Die Industrie macht sich den Hype um NFTs zu Nutze. So veröffentlichte Pringles in Zusammenarbeit mit dem Künstler Vasya Kolotusha die "CryptoCrisps": streng limitierte, animierte Chipsdosen, zum Einstiegspreis einer Pringlespackung. NIKE hat sich das System "CryptoKicks" patentieren lassen. So wird es künftig möglich sein, limitierte Schuhe mit einem digitalen Asset zu verknüpfen und virtuell neue Schuhe zu „züchten“, die dann im Anschluss in Wirklichkeit produziert werden. Auch Netflix ist auf den Zug aufgesprungen und hat seinem aktuellen Erfolgshit "Army of the Dead" ein NFT-Gewinnspiel spendiert. Fans des Films konnten so eine gelöschte Szene des Films in Form eines NFTs gewinnen, wenn sie einen virtuellen Safe knackten. 

Ein Kritikpunkt an NFTs ist, dass die Technologie jede Menge Energie verbraucht. Um die Kryptokunst herzustellen und Verkäufe in der Blockchain zu bestätigen, führen tausende Computer zeitgleich komplizierte Berechnungen aus. Das gilt nicht nur für NFTs, sondern für alle Transaktionen, die auf der Blockchain stattfinden. Der Betrieb der Ethereum-Blockchain benötigt so viel Strom wie Panama, was einige Künstler:innen wie den Briten Memo Akten dazu brachte, sich öffentlich gegen NFTs zu positionieren. Laut eigener Aussage arbeiten die Entwickler:innen von Ethereum bereits an einer Lösung, den Stromverbrauch stark zu reduzieren. Haben sie damit Erfolg, steht der goldenen NFT-Zukunft auch im ökologischen Sinne nichts mehr im Weg.

Fest steht: NFTs sind eine neue Technologie, deren praktischer Nutzen außerhalb des Marktes für Kunst und Sammlerobjekte noch begrenzt ist. Allerdings ist das Potential der NFTs für Marketer enorm, da sie künftig neue, interaktive Dimensionen des digitalen Marketings ermöglichen. Marken haben so die Chance, Konsument:innen noch enger an sich zu binden und diese wiederum neue Investitionsmöglichkeiten.

Der Autor: Kilian Thomaset ist Senior Digital Strategist bei Buddybrand. In der Berliner Kreativagentur ist er mitverantwortlich für die Bereiche Strategie und Trends. Er berät renommierte Marken wie Deutsche Bahn, Red Bull und smart in Fragen der digitalen Kommunikation und Markenführung.



Autor: W&V Gastautor

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