Tina Beuchler und Uwe Storch im Interview :
OWM: Kein Bedarf für deutsche Kickback-Studie

Der Werbetreibendenverband OWM sieht derzeit keinen Bedarf für eine deutsche Studie nach dem Vorbild des amerikanischen ANA-Reports. Im W&V-Interview äußern sich die Vorsitzende Tina Beuchler und ihr Vize Uwe Storch zur Transparenz-Debatte und erklären, wie die AGF umgebaut werden sollte.

Text: Thomas Nötting

Uwe Storch und Tina Beuchler fordern Transparenz von Agenturen und bessere Belege von Vermarktern.
Uwe Storch und Tina Beuchler fordern Transparenz von Agenturen und bessere Belege von Vermarktern.

Die Organisation der Werbungtreibenden im Markenverband OWM sieht in Deutschland derzeit keinen Bedarf für eine Transparenz-Studie nach dem Vorbild des US-amerikanischen Schwesterverbands ANA. "Ich glaube nicht, dass wir eine solche Studie in Deutschland brauchen", erklärte die Vorsitzende des Werbekundenverbands, Tina Beuchler, im Interview mit W&V. Hierzulande sei "diese Problematik seit Jahren bekannt". Man sei bereits "einen Schritt weiter". In Deutschland habe man "nie Zweifel gehabt, dass der Markt intransparent ist", sagt der stellvertretende OWM-Vorsitzende Uwe Storch. Ihn überrasche vielmehr, "dass in den USA nun alle überrascht sind".

Der US-amerikanische Verband ANA hatte in einer umfangreichen Studie die Geschäfte von Mediaagenturen im größten Werbemarkt der Welt untersuchen lassen. Ergebnis: Auch in den USA prellen Agenturen offenbar ihre Kunden mit versteckten Rabatten und als Dienstleistung getarnten Kickbacks um Geld.

"Beim Thema Transparenz hast sich in den letzten Jahren zwar einiges verbessert", so die Digital-Chefin von Nestlé Deutschland. "Trotzdem gebe es "noch immer keine umfassende Transparenz in allen Bereichen". Vor allem auf dem Feld der digitalen Werbung sieht sie die größten Defizite. "Die Goldgräberstimmung ist da".

Das OWM-Duo erneuerte seine Kritik am Preis-Leistungs-Verhältnis von Fernsehwerbung. "Wir bezahlen immer mehr Geld für eine Leistung, die immer schlechter wird", erklärte der stellvertretende OWM-Vorsitzende Uwe Storch. "Die TV-Anbieter" seien "angehalten, „Lösungen dafür zu finden". Storch hatte bereits im Mai eine Art Generalkritik zum sinkenden Wert des Werbeblocks geübt.

Bei der Frage, wie sich die Werbekunden den anstehenden Umbau der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung  (AGF) vorstellen, wurde der Ferrero-Mediachef erstmals etwas konkreter. Digital-Konzerne wie Google und Facebook aber auch der Bezahl-TV-Sender Sky könnten ihre Daten und Forschungsergebnisse in den Quoten-Messverbund einbringen, eventuell als "Außenvorgabe", schlägt Storch vor. Wichtig sei, "dass der gesamte aktuelle und künftige Bewegtbildmarkt adäquat abgebildet wird". Vor allem bei kleinen Sendern sieht Storch Probleme. "Der Markt fragmentiert immer mehr". Da stoße "ein Panel mit 5000 Haushalten und 10500 Personen irgendwann mal an seine Grenzen".