Negativ-Preis :
"Plagiarius" kürt die 10 dreistesten Produktfälschungen

Die Chinesen verteidigen ihren Titel als skrupelloseste Marken- und Produktfälscher. Aber auch eine deutsche Firma steht am Pranger.

Text: Frauke Schobelt

Besonders dreist bediente sich eine ideenarme chinesische Firma beim aufblasbaren Wasserpark von Wibit Sports. Selbst das Werbevideo wurde kopiert.
Besonders dreist bediente sich eine ideenarme chinesische Firma beim aufblasbaren Wasserpark von Wibit Sports. Selbst das Werbevideo wurde kopiert.

Welchen Platz China im Medaillenranking der Olympischen Spiele 2018 erringt, muss sich noch herausstellen. Bei der Verleihung des Negativ-Preises "Plagiarius", der am Freitag im Rahmen der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente verliehen wurde, konnte das Land seinen Titel als Fälscher-Nation Nr. 1 erfolgreich "verteidigen".

Der "Plagiarius" wurde vom Designer Rido Busse ins Leben gerufen. Seit 1977 küren der Verein Aktion Plagiarius und eine wechselnde Jury jährlich die dreistesten Produktfälschungen, diesmal bereits zum 42. Mal. Dabei geht es den Initiatoren weniger darum, ob die Kopie im juristischen Sinne legal oder illegal ist. Der Negativ-Preis soll bei Industrie, Politik und leichtgläubigen Schnäppchenjägern ein Bewusstsein schaffen für die Tragweite des Problems. Denn die Schäden für Originalhersteller und die Sicherheitsrisiken für Verbraucher seien enorm. Außerdem soll der "Plagiarius" die Leistung der Firmen würdigen, deren Ideen so dreist geklaut werden. 

Aus 24 Einsendungen wählte die neunköpfige Jury drei Hauptpreise und vergab weitere sieben "Auszeichnungen". Dabei tun sich nicht nur Firmen aus China als skrupellose Produktfälscher hervor. Auch eine Firma aus Deutschland ist dabei - die einen deutschen Wettbewerber kopiert. Gleich zweimal unter den Opfern: Die Firma Koziol aus Erbach. 

Alle Fotos zeigen links das Original - und rechts das Plagiat bzw. die Fälschung:

Als Symbol für die immensen Gewinne, die Produkt- und Markenfälscher auf Kosten der Kreativen und der Industrie erwirtschaften, soll die Trophäe des Negativ-Preises stehen: Ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Das Geschäft mit Plagiaten ist extrem lukrativ. Allein 2016 haben die EU-Zollbehörden laut EU-Kommission mehr als 41 Millionen "rechtsverletzende Produkte" im Wert von 670 Millionen Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Online-Handel macht es Produktfälschern noch einfacher, Käufer für ihre Waren zu finden. Das bekam unter anderem auch der Schuhhersteller Birkenstock zu spüren, der aus Protest die Zusammenarbeit mit Amazon beendete. Auch die Aktion Plagiarius fordert eine gesetzliche Verpflichtung zu mehr Verantwortung und Engagement seitens der Marktplatzbetreiber.

Wertschätzung für geistiges Eigentum

Den Initiatoren liegt es außerdem am Herzen, die Wertschätzung für kreative Leistungen zu erhöhen. Die Entwicklung eines Produktes von der ersten Idee bis zur Marktreife koste viel Zeit, Geld und Innovationskraft. Der Verein betont, dass er keine legalen Wettbewerbsprodukte brandmarken will, die eine optische oder technische Eigenständigkeit auszeichnet. An den Pranger stelle der "Plagiarius" plumpe 1:1 Nachahmungen, die keinerlei kreative oder konstruktive Eigenleistung aufweisen. Diese  seien "einfallslos, moralisch verwerflich und führen zu Stillstand".

Besonders dreist bediente sich etwa eine ideenarme chinesische Firma beim aufblasbaren Wasserpark von Wibit Sports aus Bocholt: Die Nachahmer kopierten nicht nur das Original mit allen Details. Sondern klauten auch noch das Konzept und die Musik aus dem Original-Werbevideo, wie hier zu sehen ist: www.plagiarius.com 

Verantwortung liegt auch beim Verbraucher

Laut Aktion Plagiarius reicht die Täterstruktur vom ideenarmen Wettbewerber über skrupellose Händler bis hin zur organisierten Kriminalität. Die Opfer finden sich quer durch alle Branchen. Auch die Verbraucher gehören dazu, denn sie kaufen oft minderwertige oder sogar gesundheitsschädliche Waren. Diese reichen von verunreinigten Parfums und Kosmetika, minderwertiger Unterhaltungselektronik und gepanschten Lebensmitteln über nachgemachte Schneid- und Haushaltwaren, Sanitärprodukte, Kinderspielzeug, Werkzeuge bis hin zu unsicheren Motorsägen und Autofelgen oder gar falsch dosierten Medikamenten und nicht funktionierenden medizintechnischen Produkten wie Notfallbeatmungsgeräten.

Auch die Konsumenten sieht der Verein deshalb in der Pflicht. Die Jagd nach Schnäppchen stärke das Geschäft der Produktfälscher, die nicht nur den Originalen schaden, sondern auch überwiegend unter "menschenverachtenden Arbeitsbedingungen" produzierten. "Eine plumpe Fälschung hat weder die Aura des Originals noch löst es dessen Markenversprechen ein", so der Verein. Es liege am Verbraucher zu entscheiden, ob er sich für "Ramsch mit Label von Kriminellen" entscheidet oder die "unglaubliche Vielfalt legaler Produkte" wertschätze. Hochwertige Markenprodukte gebe es nicht zum "Fast-Umsonst-Tarif", so der Verein.

Ab dem 16. Februar sind die Plagiarius-Preisträger im Museum Plagiarius in Solingen ausgestellt. 

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Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.