Kommentar :
Platzen der Redcoon-Blase: Billig kommt am Ende teuer

Als Media-Saturn Redcoon übernahm, waren die Erwartungen riesig: Redcoon sollte im Onlinehandel die Rettung bringen. Entsprechend groß war der Druck, Wachstum zu liefern. Jetzt ist die Blase geplatzt. Und die Marke Redcoon am Ende. Ein Kommentar von Markus Weber.

Text: Markus Weber

Als Media-Saturn 2011 Redcoon übernahm, waren die Erwartungen riesig: Redcoon sollte im Onlinehandel, den Media-Markt und Saturn lange verschlafen hatten, die Rettung bringen. Mindestens. Entsprechend groß war der Druck, Wachstum zu liefern. Und tatsächlich: Schon bald gab es die ersten Erfolgsmeldungen.

Inzwischen ist von Wachstum keine Rede mehr. Im vergangenen Jahr gingen die Umsätze zurück: Allein im letzten Quartal 2015 offenbar um mehr als ein Drittel. Und nach den jüngsten "Spiegel"-Enthüllungen ist auch klar, warum: Die italienischen Steuerbehörden sind einem Warenkreislaufsystem auf die Spur gekommen, bei dem Elektrogeräte über eine Partnerfirma und mindestens einen weiteren Zwischenhändler an die polnische Redcoon-Tochter und von dort aus wieder nach Deutschland verkauft wurden. Aufgrund des mutmaßlichen Umsatzsteuerbetrugs eines der Zwischenhändler war Redcoon am Ende sogar in der Lage, die Ware billiger anzubieten als zuvor.

Unter dem Motto "So viel billig gab's noch nie" hatte Serviceplan mit viel nackter Haut und immensem Mediadruck die Marke Redcoon in den Jahren 2012 und 2013 aufgebaut. Kommunikativ ist es in letzter Zeit sehr still geworden um die Marke. Die Billig-Blase ist geplatzt. Ob Media-Saturn (der Konzern sieht sich in der Affäre als Geschädigter) tatsächlich noch einmal Geld in die Hand nehmen wird, um die abgewirtschaftete Marke wieder aufzupäppeln, erscheint mehr als fraglich. Und ist möglicherweise auch überhaupt nicht mehr gewünscht: Denn die eigenen Online-Shops Mediamarkt.de und Saturn.de laufen fünf Jahre nach der Redcoon-Übernahme inzwischen ja ganz gut. Der Mohr hat seine Schuldigkeit längst getan.

Aber in Anbetracht der von Metro geplanten Trennung des Großhandels- und Elektronikhandelsgeschäfts kommt der Skandal für Media-Saturn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.