Gastbeitrag :
"Porsche hat gar kein Interesse daran, seine Kunden zu unterhalten"

Verbandsvorstand Tony Petersen ärgert sich maßlos über die langweilige Porsche-Werbung, auf die ihn das W&V-Interview mit Marketingchef Kjell Gruner gestoßen hat. Er kennt die Gründe dafür.

Text: W&V Leserautor

Tony Petersen man sich, warum Porsche nur Blech bietet das von links nach rechts fährt.
Tony Petersen man sich, warum Porsche nur Blech bietet das von links nach rechts fährt.

In ihrer Titelstory über den Kunden Porsche beginnt das Interview mit dem Marketingchef Kjell Gruner mit der Frage 'Herr Gruner, warum ist Porsche-Werbung so langweilig?' und ich denke spontan: Das kann ich euch sagen! Dann lese ich weiter und es wird über Altersstruktur gesprochen und über Corporate Design. Das Kommunikationstool, um das ich mich kümmere - Bewegtbild - wird so gut wie nicht berührt.

Wenn man sich die Filme anschaut die aus dem VW-Konzern kommen, Beispiel 'Lachende Pferde', der Film mit dem höchsten Unterhaltungswert aus der Welt des Automobils in Deutschland im letzten Jahr...

...oder 'Mission to the Moon', ein auf Hollywoodniveau produzierter, ebenso informativer wie unterhaltender Film von Audi - dann fragt man sich, warum Porsche nur Blech bietet das von links nach rechts fährt.

Wer wie ich von seinen Mitgliedern erfährt, wie ein Einkäufer mit den Lieferanten von Kreativität verfährt, versteht sehr schnell, warum die Bewegtbildkommuniktion des Hauses Porsche so aussieht: langweilig. So lange nur Kemper Kommunication für die Kreation verantwortlich war, ergab sich daraus kein großes Problem. Fast alle großen Produktionen, die anspruchsvolle Regisseure vertreten und gewohnt sind, nur an seriös geführten Pitches teilzunehmen, hatten sich ohnehin von diesem Kunden verabschiedet.

Preis schlägt Qualität

Mit dem Eintritt einer kreativ deutlich ambitionierteren Agentur wie Grabarz & Partner verändert sich die Problematik. Es werden mit besseren Skripts bessere Regisseure über bessere Produktionen angefragt, allerdings von dem gleichen Einkäufer, der es gewohnt ist, dass Agentur und Filmproduktion sein wenig professionelles Gebaren tolerieren.

Es werden bis zu acht Produktionen aufgefordert zu pitchen, reine Geldverbrennung. Es werden regelmässig fünf Produktionen inklusive Regie aufgefordert, vor Ort zu pitchen. Wiederum reine Verschwendung von Zeit, Geld, Energie und Goodwill. Unprofessionell allein schon deshalb, weil kein Top-Regisseur drei- oder viermal nach Zuffenhausen fährt, um jedes Mal leer auszugehen. Dies nicht etwa, weil sein filmisches Konzept nicht überzeugt hätte, sondern weil ein Konkurrent 0,4 Prozent billiger war. Mit einem langweiligeren Konzept.

Das hätte ich gern zum Thema 'Warum ist Porsche-Werbung so langweilig' gesagt. Wenn es denn um Bewegtbild gegangen wäre. Mit etwas Abstand betrachtet ist es eventuell so, dass Porsche - obwohl Premiummarke im Konzern - gar kein Interesse daran hat, seine Kunden zu unterhalten. Weil man es nicht nötig hat?

Tony Petersen ist Vorstand der Produzentenallianz in Hamburg. Als einer der erfolgreichsten Werbefilmer des Landes hat er was gegen schlechte Spots. Der Gründer der Produktionsfirma Tony Petersen Film in Hamburg weiß, wovon er spricht. Er hat in Cannes schon viele Löwen gewonnen. Aus der Tony Petersen Film ist er 2014 als Gesellschafter ausgestiegen.

 


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W&V Leserautor

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