So weit, so gut, so lustig. Aber was bedeutet diese Art von Pressebriefing für das Verhältnis von PR und Journalismus? Und vor allem: welchen Plan verfolgt Trump mit seinem Krieg gegen die Medien? Denn bemerkenswert ist es, dass das Interesse der weltweiten Berichterstattung fast ausschließlich einem einzigem Thema galt: den Zuschauerzahlen bei Trumps Vereidigung vor dem Kapitol in Washington.

Nur: wie wichtig ist dieses Thema eigentlich? Wen interessiert das – außer den narzisstischen US-Präsidenten? Viel spannender, wichtiger und folgenreicher gewesen wäre es, die konkreten Folgen Trumps allererster präsidialen Verfügungen zu diskutieren, mit denen er Obamas Gesundheitsreform teilweise ausgehebelt und finanzschwachen Hauskäufern höhere Hypothekenzahlungen beschert hat. Insofern halte ich die Diskussion über das angeblich größte Publikum, das jemals eine Amtseinführung hatte für geschickt eingefädelt: Trumps Pressesprecher hat mit seinem denkwürdigem Auftritt gezeigt, wie man ein völlig nebensächliches Randthema auf die Agenda der Weltpresse setzt, eine Diskussion über Politik vermeidet und gleichzeitig seine Anhänger in ihren Vorurteilen gegenüber der angeblich lügenden Presse bestätigt.

Ein etwas beängstigendes Lehrstück.


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W&V Leserautor

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