United Airlines :
"PR Week" ist Award für United-CEO plötzlich peinlich

Ungewöhnlich, dass sich ein Fachblatt für die PR-Branche wegen eines verliehenen Awards schon vier Wochen später rechtfertigen muss.

Text: Markus Weber

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"PR Week" im März: Feierlich verliehene Awards können einen schnell einholen.
"PR Week" im März: Feierlich verliehene Awards können einen schnell einholen.

Erst vor vier Wochen hat das bekannte PR-Fachblatt "PR Week" den United-Airlines-CEO Oscar Munoz in den USA zum "Communicator of the Year" gekürt. Die Airline habe nach langer Krise endlich den kommunikativen Turnaround geschafft, hieß es am 16. März zur Begründung. Besonders hervorgehoben wurde dabei Munoz' Fähigkeit, den Mitarbeitern seine Zukunftsvision für United Airlines zu vermitteln.

Zwei Wochen später kam dann #Leggingsban (zwei Teenagerinnen wurden wegen eines Kleiderordnungsverstoßes am Gate abgewiesen), und jetzt der gewaltsame Rausschmiss eines Passagiers wegen Überbuchung des Fliegers.

Die Branche ist schnelllebig. Jedenfalls darf die "PR Week" nun gleich selbst ein bisschen Krisen-PR üben. Der Chefredakteur Steve Barrett hat durchaus Mühe, die ganze Geschichte seinen Lesern zu erklären. Zum Zeitpunkt, als die Redaktion die Award-Kandidaten bewertete, sei Munoz' Bilanz tadellos gewesen, schreibt Barrett. In den vergangenen vier Wochen sei aber - auch in der Kommunikation - jede Menge falsch gelaufen. "Wenn 'PR Week' den 'Communicator of the Year' jetzt wählen würde, würde die Wahl nicht auf Oscar Munoz fallen", gibt Barrett zu.

Der "PR Week"-Chef zieht aus den Ereignissen eine wichtige Lehre: "Kein Unternehmen darf sich mit Blick auf Ansehen und Ruf auf seinen Lorbeeren ausruhen." Gerade im Dienstleistungssektor sei jeder einzelne Mitarbeiter immer auch Botschafter nach außen. Ansehensverlust sei für jedes Unternehmen heute eine genauso große Gefahr wie etwa Haftungsrisiken oder andere rechtliche Unwägbarkeiten. Anwälte können - wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist - zumindest mit Blick auf die Krisen-PR nicht mehr viel retten.

Mehr zum Thema Shitstorms im Kommentar von Frank Zimmer.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.



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