Damit will Amazon die Kette mit über 460 Filialen in den USA, Kanada und Großbritannien für eine breitere Kundschaft öffnen. "Jeder sollte sich Whole Foods leisten können", findet Wilke. Das ist ein Bruch mit dem bisherigen Geschäftskonzept, das sich mit gehobener Qualität, exklusiven Produkten und teuren Preisen an wohlhabende Kunden richtete und sich so von der Billig-Konkurrenz abgrenzte.

Amazon will das Snob-Image der Kette Whole Foods abschütteln

Dieser Ansatz brockte Whole Foods jedoch auch den Ruf eines Oberschicht-Supermarktes für Öko-Snobs ein. Über die Jahre entwickelte sich das Unternehmen zu einem kontroversen Symbol der Gentrifizierung in US-Metropolen und wurde deshalb etwa von den Machern der Comedy-Serie "Southpark" auf die Schippe genommen. Amazon will dieses Schnösel-Image nun offenbar schleunigst loswerden. Und der E-Commerce-Gigant drückt nicht nur die Preise.

Amazon vermarktet über Whole Foods auch seine eigenen Produkte - der vernetzte Lautsprecher "Echo" steht bereits prominent im Eingangsbereich. Zudem wird der Prime-Service, der Abonnenten Zugang zu Video-Streaming und Gratisversand bietet, zum Prämienprogramm für Supermarkt-Kunden ausgebaut. So verzahnt Amazon seine Online-Dienste mit dem stationären Einzelhandel. Das verheißt für die Konkurrenz nichts Gutes, zumal Geldverdienen für den nach Marktdominanz strebenden Amazon-Chef Jeff Bezos nicht an erster Stelle steht.

"Amazon wendet die gleiche Strategie an, mit der bereits Buchverkäufern und anderen Einzelhändlern zugesetzt wurde", so Marktexperte Chris McCabe gegenüber dem "Wall Street Journal". Der Konzern übernehme den Markt, indem er die Konkurrenz mit niedrigen Preisen ausschalte. Als solle diese Theorie bestätigt werden, hat Amazon einige der gefragtesten Whole-Foods-Produkte in Brooklyn bereits um bis zu 50 Prozent verbilligt.

Für die heimischen Supermarkt-Schwergewichte kommt die Attacke zur Unzeit. Die Abwanderung der Kundschaft ins Internet macht der Branche ohnehin schon zu schaffen, nun greift Amazon - die treibende Kraft hinter dem Online-Trend - auch noch mit Macht im Ladengeschäft an. Erschwerend hinzu kommt Konkurrenz aus Deutschland. Discounter Lidl hat im Sommer seine ersten US-Filialen eröffnet, Aldi nimmt derweil ebenfalls viel Geld für eine rasante US-Expansion in die Hand. (dpa)


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W&V Redaktion
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