Sportswear-Kampagne :
Rechtsstreit wegen Graffiti: H&M provoziert nächsten Shitstorm

Die Streetart-Szene fordert zum H&M-Boykott auf. Denn die Schweden präsentieren ihre Sportswear-Kollektion vor einem Graffiti des Künstlers Revok - ohne ihn vorher zu fragen.

Text: Annette Mattgey

Das Graffiti von Revok im H&M-Spot.
Das Graffiti von Revok im H&M-Spot.

Das, was auf der Wand im Hintergrund des Basketball-Spielfeld in Williamsburg zu sehen ist, ist für die einen Vandalismus im öffentlichen Raum - für die anderen ein künstlerisches Werk. Das sieht vor allem Jason Williams - Künstername Revok - so. Er ließ dem schwedischen Bekleidungskonzern H&M eine Unterlassungserklärung zukommen, damit sie nicht weiter ihre Produktpräsentation der Sportswear-Kollektion "New Routine", in Verbindung mit seinem Werk verbreiten. 

Es geht um diesen Zehnsekünder:

Die Antwort der Schweden war knallhart: Sie reichten Klage gegen Williams ein und wollten klären lassen, ob es  überhaupt Urheberrechte an einem vandalistischen Akt geben kann. In den USA stritten auch schon andere Marken mit Streetart-Künstlern, etwa Gucci. Gegenüber Adage erklärte Susan Scafidi, Direktorin des Fashion Law Institute der Fordham Law School. "In der Copyright-Gesetzgebung gibt es keine Passage, die besagt, dass illegale Kunst nicht Gegenstand des Urheberrechts sein kann."

Der Anwalt von Williams, bemängelt, dass H&M einerseits Kapital aus den Werken seines Mandanten schlage, andererseits die Graffiti-Szene durch den Gerichtsprozess in Verruf bringe. Das stinke den Streetart-Künstlern.

Deswegen schlug der Streit in der Graffiti-Szene hohe Wellen und führte zu Boykott-Drohungen.

Vielleicht lässt sich die juristische Auseinandersetzung doch noch abwenden. Die jüngsten Äußerungen von H&M lassen darauf schließen, dass die Schweden einlenken.

Die aktuellen Statements von H&M:

Der Anwalt von Revok droht jetzt mit Gegenmaßnahmen:

Erst Anfang des Jahres musste H&M mit einem gewaltigen Aufruhr im Netz fertig werden. Dabei entzündete sich die Debatte an einem farbigen Jungen, dessen Sweatshirt den Aufdruck "Coolest Monkey in the Jungle" trug. Das brachte H&M schwere Rassismusvorwürfe ein. Das Produkt wurde zurückgezogen.


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".