Rewe müsse sich daher in Deutschland auf Wachstum aus eigener Kraft konzentrieren und Chancen im Ausland nutzen. "Für uns steht die Weiterentwicklung von Omni-Channel-Geschäftsmodellen im Fokus. Das bedeutet, dass wir unser klassisches stationäres Geschäft kontinuierlich optimieren müssen", so Caparros. Für das Geschäftsjahr 2017 kündigt er insgesamt Investitionen in Höhe von mehr als 1,7 Milliarden Euro an. Ganz oben auf der Agenda stehe die Digitalisierung.  

100 Millionen Euro Umsatz mit Onlinehandel

Auf die wohl größte Herausforderung, die in den nächsten Jahren auf den Lebensmittelhandel zukommt - die wachsende Online-Konkurrenz - sieht der Manager den Konzern gut vorbereitet. Schließlich bietet Rewe inzwischen den Verbrauchern schon in rund 75 Städten die Möglichkeit, frische Lebensmittel online zu bestellen und nach Hause geliefert zu bekommen.

Caparros geht fest davon aus, dass der US-Internetriese Amazon in Kürze seinen Lieferdienst Amazon Fresh für frische Lebensmittel in Deutschland an den Start bringen wird. Dies werde nicht zuletzt deshalb für die klassischen Lebensmittelhändler schwierig, weil bei Amazon nicht die Wirtschaftlichkeit des Lebensmittelgeschäfts im Vordergrund stehe, sondern der Gewinn von Kundendaten und neuer Schub für das Geschäft mit anderen Produkten. Für Rewe dagegen gelte: "Wir müssen davon leben."

Mehr als 100 Millionen Euro Umsatz macht Rewe inzwischen in Deutschland im Online-Handel mit Lebensmitteln - schreibt dabei allerdings noch rote Zahlen. Gewinn zu machen sei derzeit auch nicht die Priorität, meint Caparros. "Wir sind noch in einem Lernprozess und der wird noch dauern." 

"Mein Job ist beendet"

Zitat: Alain Caparros

Der scheidende Rewe-Chef übergibt seinem Nachfolger Lionel Souque, dem bisherigen Deutschland-Chef, ein profitables Unternehmen. "Mit aller Bescheidenheit kann ich sagen: Das ist ein Rekordergebnis in der Unternehmensgeschichte", zitiert ihn das "Handelsblatt".

"Mein Job ist beendet", sagte Caparros bei der Pressekonferenz. "Es ist höchste Zeit, dass ich das Parkett räume." Und dann fügt er noch eine in den deutschen Führungsetagen eher ungewöhnliche Begründung für seinen überraschenden Rücktritt an: Er wolle nicht die Erfahrung anderer Konzernchefs machen, die zu lange mit dem Abschied gezögert hätten und erleben mussten, "dass sie nicht mehr in das Unternehmen passen". 

Gefragt nach drei Empfehlungen, die er seinem designierten Nachfolger Lionel Souque geben wolle, übt Caparros dann aber wieder die Kunst des Loslassens. Er hasse diese Alt-Chefs, die sich ständig in die Arbeit ihrer Nachfolger einmischen wollten. "Er weiß schon genau, was er zu machen oder zu lassen hat." (dpa/fs)



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