Eigenmarken :
Rewe will weniger Zucker in jedem zweiten Produkt

Rewe sagt dem Zucker den Kampf an. Der Lebensmittelhändler will den Zuckeranteil in den Eigenmarken nach und nach reduzieren. Den Anfang macht ein Schokopudding.

Text: Verena Gründel

Wie viel Zucker schmeckt am besten? Ab 15. Januar können die Kunden probieren und mitentscheiden.
Wie viel Zucker schmeckt am besten? Ab 15. Januar können die Kunden probieren und mitentscheiden.

Rewe überarbeitet die Rezepturen der Eigenmarken. Begleitet von der Kampagne "Wie viel Zucker brauchst du noch?" will der Lebensmittelhändler den Zuckeranteil der Marken "Ja", "Beste Wahl", "Regional", "Feine Welt" und "Bio" reduzieren. Den Anfang macht ein Schokopudding von "Rewe Deine Wahl". Wie viel Prozent weniger Zucker er in Zukunft haben wird, das entscheiden die Kunden. 

Ab 15. Januar können Kunden in allen Rewe-Märkten ein Bundle aus vier kleinen Pudding-Bechern für einen Euro kaufen: Es enthält das altbewährte Produkt mit 14 Gramm Zucker pro 100 Gramm und jeweils einen Becher mit 20 Prozent, 30 und 40 Prozent weniger Zucker. Unter wenigerzucker.rewe.de sollen sie abstimmen, welche Variante im April oder Mai dieses Jahres in die Läden kommt. 

"Schlussendlich entscheidet der Kunde"

Doch was passiert, wenn sich die Kunden für das nicht-reduzierte Produkt entscheiden? Dann werde eben weiter der klassische Schokopudding hergestellt, gibt Einkaufschef Hans-Jürgen Moog zu. "Denn der Kunde entscheidet schlussendlich." Die Zuckerreduzierung solle nicht zulasten des Geschmacks gehen.

"Wir haben uns aber bereits damit auseinander gesetzt und andere Produkte testen lassen." Die Ergebnisse seien immer dieselben gewesen: Der Zucker müsse weniger werden. Die Frage sei eher, um wie viel Prozent der Zucker reduziert werden solle. 

Weniger Zucker in jedem zweiten Produkt

Für 100 weitere Produkte des Eigenmarken-Sortiments stehen die neuen, zuckerreduzierten Rezepturen bereits, erzählt Moog. Hier gab es kein Kundenvoting, sondern interne Verkostungen. Sie alle sollen noch 2018 in den Handel kommen. Bis 2020 will Rewe bei 50 Prozent "aller relevanten Artikel aus dem Eigenmarkensortiment" der Zucker- beziehungsweise Salz-Anteil reduzieren. Zuckerersatzstoffe kommen nicht zum Einsatz. Deshalb müssen viele Rezepturen neu entwickelt werden, erklärt er. Schließlich solle der Geschmack nicht leiden.  

Rewe ist der erste Einzelhändler, der den Zucker im Sortiment systematisch reduzieren will. Bewusst will er eine Pionierrolle einnehmen. Weil er aber nur bei den Eigenmarken direkten Einfluss auf die Zutaten hat, setzt er hier zuerst an. Aber nicht nur:

Bereits im September 2017 hat er sich mit allen großen Lieferanten getroffen und verkündet, dass die Zucker- und Salz-Reduktion für Rewe ein strategisches Ziel ist. "Wir haben die Markenhersteller aufgefordert, sich intensiv damit zu beschäftigen, weil es eine gesellschaftliche Verantwortung ist, die wir alle haben", sagt Moog.

Erste Hersteller ziehen mit

Bei einzelnen Herstellern ist das Thema bereits angekommen. Zum Beispiel Coca-Cola will den Zuckeranteil in den Getränken bis 2020 um 10 Prozent reduzieren. Allerdings geht es bei dem US-Konzern weniger um Rezepturen als um die Stärkung der zuckerfreien Sorten durch Marketing und mehr Platz in den Regalen. Die Rezepte der Coca-Cola Classic und Fanta Orange würden nicht angefasst, sagte Marketingchef Andreas Johler im W&V-Interview.

Haribo geht das Thema Zuckerreduktion ebenfalls vorsichtig an: Anfang 2018 hat der Hersteller drei Fruchtgummi-Sorten herausgebracht, die 30 Prozent weniger Zucker enthalten. 

Die Agentur Thjnk Hamburg hat die Rewe-Kampagne entwickelt. Auf Seiten des Händlers waren Marketingleiterin Elke Wilgmann und Projektleiterin Julia Eßer verantwortlich. Bei Thjnk hatte Executive Creative Director Michael Ohanian den Hut auf. Der TV-Spot, der die Pudding-Abstimmung begleitet, stammt von MarkenfilmOMD Düsseldorf verteilte die Mediabudgets.

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Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.