Online-Lebensmittelhandel :
Rewe zittert vor Amazon Fresh

Der mögliche Eintritt des Onlineriesen Amazon in den Lebensmitteleinzelhandel bereitet den etablierten Anbietern der Branche Sorgen. "Wir müssen uns warm anziehen gegen Amazon Fresh", sagt Rewe-Chef Alain Caparros.

Text: W&V Redaktion

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Amazon bietet in den US-Metropolen und in London seinen Lieferdienst mit frischen Lebensmitteln.
Amazon bietet in den US-Metropolen und in London seinen Lieferdienst mit frischen Lebensmitteln.

Der mögliche Eintritt des Onlineriesen Amazon in den Lebensmitteleinzelhandel bereitet den etablierten Anbietern der Branche Sorgen. "Wir müssen uns warm anziehen gegen Amazon Fresh", sagte Rewe-Chef Alain Caparros der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Er bekomme Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass Amazon von den Kunden als bester Einzelhändler wahrgenommen werde. Die Verzahnung des stationären Handels mit dem Online-Geschäft müssten die Lebenshändler hinbekommen, sonst würden sie irgendwann von Amazon abgehängt, sagte Caparros.

Seit einigen Monaten wird in der Branche über den Eintritt des US-Konzerns in den deutschen Lebensmittelhandel spekuliert. Amazon hat sich bislang zu einem möglichen Marktstart in Deutschland aber noch nicht geäußert. Dazu gebe es keine Ankündigungen, sagte eine Unternehmenssprecherin in München erneut auf Anfrage. Bislang bietet Amazon in den US-Metropolen und in London einen Lieferdienst mit frischen Lebensmitteln.

Tatsächlich geht es in dem Markt um ein Riesengeschäft. Rund 170 Milliarden Euro geben die Bundesbürger Jahr für Jahr für den Einkauf von Lebensmitteln aus. Doch während sich die Onlinehändler im Buchhandel, bei Textilien oder in der Elektronik längst ein großes Stück des Kuchens gesichert haben, spielt der E-Commerce im Lebensmittelhandel noch eine kaum sichtbare Rolle. Nur rund ein Prozent der Branchenumsätze entfallen das Internet.

Das dürfte sich ändern. Die Strategieberatung Oliver Wyman schätzt, dass 400 bis 500 Millionen Euro allein im Großraum München aus dem stationären Einzelhandel in den Online-Kanal abfließen, wenn Amazon mit seinem Lebensmittellieferdienst einen Marktanteil von fünf Prozent erobert. Und den halten die Unternehmensberater für durchaus realistisch. Denn schon mit seinem Express-Lieferservice Amazon Prime Now, der inzwischen in Berlin und München aktiv ist, hält der E-Commerce-Riese einem Wettbewerbsvergleich durchaus Stand.

Wegen der guten Aussichten tummeln sich inzwischen auch branchenfremde Anbieter in dem Geschäft. 2015 hatte die Deutsche Post ihren Online-Supermarkt Allyouneed neu positioniert. Ziel ist dabei, das Geschäft rund um die Paketzustellung durch den stark wachsenden Online-Bereich mit frischen Lebensmitteln zu erweitern. Allyouneed Fresh bietet derzeit mehr als 22.000 Artikel, darunter 3600 Bio-Erzeugnisse.

 (fs/dpa)


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