Wegen Streckensperrung :
Ruiniert die Bahn Deutschlands Image?

Ausgerechnet während der Hannover Messe sperrt die Deutsche Bahn die ICE-Schnellfahrstrecke Hannover- Kassel. Damit hat sie eine Welle der Empörung ausgelöst. Der Unternehmerverband warnt vor negativen Auswirkungen auf Deutschlands Image.

Text: Deutsche Presse-Agentur

Die Deutsche Bahn hat mit ihrer kurzfristig angekündigten Totalsperrung der ICE-Schnellfahrstrecke Hannover- Kassel während der Hannover Messe eine Welle der Empörung ausgelöst. "Wir werden mit Mails und Anrufen der Aussteller überschwemmt", sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller. Auf der wichtigen ICE-Strecke müssen vom 23. April bis 8. Mai täglich wegen Bauarbeiten 160 Züge umgeleitet werden - betroffen wären Besucher der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe (24.-29. April) ebenfalls. Die Landesregierung Niedersachsen versucht nun, mit einem Kompromissvorschlag die Wogen zu glätten.

Unternehmer-Chef Müller, der im Ausstellerbeirat der Messe sitzt, warnte vor einem enormen Imageschaden für den Standort Deutschland und hielt der Bahn eine "dramatische Fehlentscheidung" vor. "Es ist undenkbar, dass der US-Präsident am fraglichen Wochenende in Hannover ist und Hannover auf dem Schienenweg nicht mehr vernünftig erreichbar ist", sagte er. Während die ganze Welt dort zu Gast sei, um den Aufbruch der Wirtschaft in der digitale Welt von morgen nachzuspüren, setze die Bahn Signale, die an längst vergangene Zeiten erinnerten.

Auch die Informationspolitik der Bahn sei eine Katastrophe gewesen: "Die Bahn hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt." Die in Aussicht gestellte einstündige Verspätung bei der Fahrzeit könne zudem eher hypothetisch sein - weitere unvorhergesehene Störungen könnten diese Zeit noch erheblich heraufschrauben. Viele der vor allem im Süden Deutschlands angesiedelten Maschinenbauer überlegten sich daher die Anreise doppelt.

Die Landesregierung schlägt daher vor, die Sperrung zeitweise auszusetzen. Die Arbeiten könnten zwar wie geplant am 23. April beginnen, würden aber während der Hannover-Messe morgens und abends für je zwei Stunden ruhen. "Auf diese Weise könnte zumindest der Hauptmesseverkehr ohne Verzögerungen abgewickelt werden und man würde wohl auch nicht den Pfingstreiseverkehr tangieren", sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Er reagierte auch auf empörte Reaktionen der Wirtschaft, die einen enormen Imageschaden befürchtet.

Lies hatte seinen Vorschlag Bahnchef Rüdiger Grube und Vorstand Volker Kefer am Freitag unterbreitet. "Herr Grube und dann auch Herr Kefer in einem weiteren Telefonat haben mir zugesagt, diese Idee zu prüfen", sagte Lies. Auf der wichtigen Strecke müssen vom 23. April bis 8. Mai wegen Bauarbeiten täglich 160 Züge umgeleitet werden, wie ein Konzernsprecher am Freitag sagte. Betroffen davon wären auch Besucher der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe (24.-29. April), zu der nach Angaben des Ministeriums 15.000 Besucher aus den südlichen Bundesländern und weitere 10.000 aus dem Ausland mit der Bahn aus Richtung Frankfurt anreisen werden.

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