PR-Interview :
Schleichwerbung? "Grazia" lässt Kloppo von Opel schwärmen

Das Lifestyle-Magazin "Grazia" lässt Jürgen Klopp in einem Interview ungebremst vom Opel Adam schwärmen. Die Fotos zur Strecke lieferte der Autobauer selbst. Jetzt steht der Vorwurf der Schleichwerbung im Raum. Beim Verlag gibt man sich zerknirscht.

Text: Anja Janotta

09. Jul. 2013 - 1 Kommentar

Jürgen Klopp ist ein begehrtes Testimonial. Auch für Opel ist der BVB-Trainer unterwegs. Selbst dann, wenn er nicht in einem Spot zu sehen ist. In einem Interview mit dem Lifestyle-Blatt "Grazia" (G+J / Klambt Style-Verlag) auf Sylt plaudert er nicht nur über seine Haartransplantation, sondern lässt sich auch lobend über den Opel Adam aus.:"Wir gehen hier viel spazieren, aber fahren auch mit dem Auto. Wir haben hier einen Opel Adam – der ist so klein, dass er in jede Parklücke passt und der Hund trotzdem noch Platz hat". Das Aufmacherfoto zeigt Klopp gegen ein schwarzes Auto gelehnt. Wie der "Tagesspiegel" schreibt, ist die Geschichte während eines PR-Termins entstanden, eine entsprechende Pressemitteilung mit Pressefotos ist auf der Opel-Medienseite zu finden. Nun muss sich die Zeitschrift des Vorwurfs der Schleichwerbung erwehren. Zumal das Opel-Zitat als einziges auch noch blau gekennzeichnet ist.

Nicht nur "Grazia", sondern auch das Auto-Portal auto.de hatte berichtet und das PR-Bild von Jürgen Klopp abgebildet. Auch hier darf der Trainer unzensiert schwärmen:"Hier brauchst Du keine dicke Limo. Der Opel Adam bringt mich fix zu meinem Lieblingsstrand. Klein, wendig, spritzig – und Platz genug für meine 1,94 Meter. Und wenn Du dann abends im Restaurant zum Essen vorfährst, funktioniert er auch noch als Hingucker – besonders mit dem abgefahrenen LED-Sternenhimmel", sagt er - ganz gemäß des Pressetextes. Als Anzeige ist der Beitrag nicht gekennzeichnet. Auch bei der aktuellen Ausgabe der "Grazia" fehlte ein entsprechender Hinweis. Allerdings ein paar Seiten weiter findet sich dort noch eine doppelseitige Promo mit Opel.

Und nicht nur Opel erwähnt Kloppo: Als "Grazia"-Shopping-Tipp empfiehlt der Trainer zudem noch die Exkluisvboutique Skiclub Kampen. Auf den Interview-Fotos trägt Klopp, der offiziell "Mitglied des Clubs" und als Botschafter bei dessen Facebook-Seite auftritt ist, einen Pullover mit dessen Logo auf der Brust.

Beim Presserat in Berlin ist indessen noch keine Beschwerde wegen Schleichwerbung eingegangen, so Roman Portack, Referent beim Beschwerdeausschuss, gegenüber W&V Online. Erst damit könne man tätig werden. Er sagt aber gleichzeitig auch: "Die Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten wird vom Presserat strikt gehandhabt."

Grazia erscheint in Kooperation zwischen G+J und Klambt. "Das ist ein Fehler, der uns unterlaufen ist, aber entspricht nicht unserer gängigen Praxis. Wir hätten darauf hinweisen müssen, ganz klar", räumt Klambt-Sprecher Jonas Schmieder ein. Opel sei aber schon länger ein Werbekunde und "die Werbebuchung von Opel ist unabhängig und weit vor dem Interview festgelegt worden." Der Shopping-Tipp sei redaktionell im Rahmen des Interviews entstanden. "Da wurden verschiedene Geschichten abgefragt: Wo isst Herr Klopp gerne, was mag er alles an der Insel und wo kauft er ein." Gerade bei Promi-Zeitschriften interessiere den Leser ja, wo ein Promi shoppe und wo er vielleicht zu treffen sei.

Gegenüber dem "Tagesspiegel" betonte zudem ein Opel-Sprecher, dass der Konzern "die journalistische Unabhängigkeit respektiere und keinen Einfluss auf die redaktionelle Bildgestaltung oder -auswahl nimmt".

Seit Juli vergangenen Jahres sind Opel und Kloppo liiert. Nicht nur mit Promotion-Aktionen, auch im Werbespot hält Klopp den Kopf hin:


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



1 Kommentar

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Anonymous User 11. Juli 2013

Erschreckt uns Schleichwerbung tatsächlich noch? Die größte Gefahr sehe ich für Klopp selbst. Wenn er bei jedem zweiten Satz, den er zum Besten gibt, Werbung für Opel macht, wird er langsam aber sicher zur Witzfigur und wird viel Sympathie und Respekt verlieren. Und das drückt sich am Ende auch in Euro aus, wenn man an Werbewert verliert. Auch Promis sollten pfleglich mit ihrem Markenwert umgehen.

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