84 Lumber :
Servercrash und Debatte nach Super-Bowl-Zensur

Migranten und die Mauer: Im Werbeblock des Super Bowl durfte Bauholzhändler 84 Lumber nur eine zensierte Fassung seines Spots zeigen. Die unzensierte Langfassung wollten dann so viele Zuschauer online sehen, dass der Server zeitweise zusammenbrach.

Text: Frauke Schobelt

In der unzensierten Fassung des 84-Lumber-Spots stoppt eine Mauer die Migranten aus Mexiko.
In der unzensierten Fassung des 84-Lumber-Spots stoppt eine Mauer die Migranten aus Mexiko.

Das Thema Migranten aus Mexiko und Mauer kam beim Super-Bowl-Sender Fox nicht wirklich gut an. Im Vorfeld des Mega-Events zensierten die Verantwortlichen den Werbefilm des Super-Bowl-Neulings 84 Lumber, mit dem das Unternehmen seine Recruiting-Kampagne 2017 starten wollte. Die Story wurde als zu politisch eingestuft: Eine mexikanische Mutter irrt mit ihrer kleinen Tochter durch Mexiko. Ihr Ziel ist die Grenze zu den USA. Doch da stoppt sie - zunächst - eine meterhohe Mauer.

Die verantwortliche Agentur Brunner aus Pittsburg musste für den Bauholzhändler eine entschärfte Version entwickeln, die im Werbeblock des Finales lief - mit Verweis auf die unzensierte Langversion auf der Online-Seite des Unternehmens.

Aber wie es so ist mit Mauern - die Zensur machte die Zuschauer erst richtig neugierig. Viele wollten die komplette Story sehen, der Server der 84-Luber-Website brach laut Medienberichten zeitweise fast zusammen. Von 300.000 Aufrufen in der ersten Minute und insgesamt 6 Millionen in der ersten Stunde nach Ausstrahlung des Spots spricht die Agentur Brunner gegenüber dem "Kontakter". 

Auf Youtube kommt der Spot auf mehr als 8,6 Millionen Aufrufe. Auch über den Social-Media-Buzz dürfte sich das Unternehmen freuen, denn über den Spot wurde heftig debattiert. 

Im Spot baut 84 Lumber Brücken beziehungsweise eine Tür für Menschen, die weiterhin willkommen sind. Und das obwohl 84-Lumber-CEO Maggie Hardy Magerko eine Trump-Unterstützerin ist, wie sie gegenüber "USA Today" zugab. Auch den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko findet sie richtig, vermittle diese doch ein Gefühl von Sicherheit. Dennoch ließ sie ihrem Marketingteam für den Super Bowl freie Hand und steht zu der Kampagne. Denn im Spot gehe es darum, Individuen mit "Würde und Respekt" zu behandeln. Und die Marke 84 Lumber dürften nun auch ein paar Millionen mehr Menschen kennen. 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.