Kommentar :
Servus Tengelmann. Du wirst mir fehlen

Edeka treibt die Integration der 355 Tengelmärkte voran und verspricht mehr Vielfalt und moderne Läden. Fünf Gründe, warum mir unser kleiner Tengelmann trotzdem fehlen wird. 

Text: Frauke Schobelt

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Noch prangt das rote Logo über dem Markt. Bald ist dort alles gelb-blau.
Noch prangt das rote Logo über dem Markt. Bald ist dort alles gelb-blau.

Schleichend macht sich bei Tengelmann in München-Solln bemerkbar, dass große Veränderungen anstehen. In den Regalen tauchen neue Produkte auf oder es wird nicht mehr nachgefüllt. Die "Wir müssen raus"-Kiste ist immer voll. Der kleine Tengelmann an der Ecke verwandelt sich nach und nach in einen kleinen Edeka-Laden. Noch prangt oben das bekannte rote Logo über dem Eingang, noch tragen die Mitarbeiter Schwarz-Rot. Aber wohl ab Mai ist dann alles gelb-blau. 

Edeka meldet, dass die Integration der 355 Märkte auf vollen Touren läuft. "Alle übernommenen Standorte überführen wir derzeit mit hoher Schlagzahl in die Edeka-Welt", sagte Vorstandschef Markus Mosa am Dienstag in Hamburg. Die Märkte würden auf zeitgemäße Edeka-Konzepte umgestellt und mit Blick auf Sortimente, technische Ausstattung und Ladendesign fit gemacht für die Zukunft. Und es soll mehr Produkte in den Regalen geben. 

Die gute Nachricht für alle Anwohner (und nach einer langen Übernahmeschlacht dem Deal mit Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu verdanken): Der Laden an der Ecke bleibt. Die netten Mitarbeiter auch. Vom Ladendesign her scheint aber auch erst mal alles beim Alten zu bleiben; große Umbauarbeiten sind nicht zu sehen, es wird einfach umgefüllt. 

Natürlich werden wir künftig zu Edeka laufen, wenn der Kühlschrank leer ist oder die Milch fehlt. Die haben auch gute Sachen, sind ja nicht umsonst Marktführer (2016 stiegen die Erlöse um 2,5 Prozent auf 49,6 Milliarden Euro). Und vielleicht wird es auch günstiger: Wenn man den Einkaufskorb ordentlich füllte beim Tengelmann, war das manchmal ganz schön teuer. 

Und eigentlich ist es doch auch egal, welche Händlermarke auf dem Bon steht. Oder? 

5 Gründe, warum mir Tengelmann trotzdem fehlen wird 

1.

Auch wenn Edeka verspricht, dass es mehr Vielfalt in den Regalen geben soll: Einige liebgewonnene Produkte wie meine Lieblingskekssorte (Dinkel-Butterkeks: Ist leckerer, als es klingt!) oder die Lieblingstees wird es wohl nicht mehr geben. Leider wurden wir nicht gefragt, was bleiben soll.  

2.

Neckermann, Quelle, Schlecker und nun Tengelmann: Jede Marke aus der Jugend, die verschwindet, führt einem irgendwie auch den eigenen Verfall vor Augen. 

3.

Niemand wird mich mehr charmant an der Kasse fragen: "Sammeln Sie Herzen?" 

4.

 "Ich gehe eben schnell zum Tengelmann." Schon der Name klingt netter. Ein bisschen wie Tante Emma. Edeka hört sich deutlich eckiger an und größer. 

5.

Und dann die Sache mit der Vielfalt. Im Münchner Süden haben wir demnächst die Auswahl zwischen Edeka, Edeka und Edeka. Denn auch der Netto die Straße weiter rauf gehört zum Riesen. Da bleiben dann als Ausweichmöglichkeit nur noch zwei Bio-Supermärkte. Da erinnern dann wenigstens die Preise an Tengelmann.  

   


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



2 Kommentare

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Cathy I 28. April 2017

Nur dafür habe ich mich hier registriert:

Zum Glück, zum GLÜCK, gibt's den Tengelmann bald nicht mehr...
Die 4 Filialen die ich in München kenne und aufsuche sind allesamt so grottenschlecht.
Mehrfach habe ich abgelaufene Lebensmittel gekauft, weil ich in der Eile der Mittagspause vergessen hatte, dass man beim Tengelmann wirklich immer selbst kontrollieren muss.
Im Gegensatz dazu: Bei Edeka, Rewe, Netto kaufe ich wesentlich häufiger ein und dort ist mir das vielleicht ein mal passiert. Bei denen kann man sich eher darauf verlassen, dass die Sachen in Ordnung sind.
Und ich weiß nicht warum, aber die langsamsten Kassierer Münchens arbeiten offenbar alle beim Tengelmann. Der Laden ist während dem Mittagsanstrum zum brechen voll, dass nur eine Kasse offen ist kennt man ja auch von anderen Läden, aber dann setzen die da den einizigen Tengelmann-Azubi hin. Alternativ gerne auch die Rentner-Omi die völlig überfordert nicht hinterherkommt und keine Ahnung hat wie das Kartenlesegerät bedient wird.
2 Jahre lang war der Tengelmann meine Mittagspausen-Haupteinkaufsquelle, weil er so nah war. Dann hatte ich keinen Bock mehr und bin zum 10min weiter entfernten Edeka gegangen und war trotzdem schneller fertig.

Und sorry, aber...zum Glück gibt es den Schlecker nicht mehr. Diese verstaubten Regale und engen Gänge...wenn man den DM als Maßstab nimmt war der Schlecker ein schlechter Witz. Wer kauft denn bitte mit Freude ein angestaubtes Duschgel?

Andreas Schaefer 28. April 2017

Ein bisschen spüre ich auch schon die Nostalgie, aber die Frage nach den Herzen werde ich sicher nicht vermissen.

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