Sex-Reisen bei Ergo angeblich bis 2011 "gängiges Belohnungsinstrument"

Bei der Ergo-Versicherung waren Sex-Reisen bis zum vergangenen Jahr offenbar ein "gängiges Belohnungsinstrument" für erfolgreiche freie Vertreter, berichtet das "Handelsblatt". Die Zeitung widerspricht damit der von Ergo vertretenen Einzelfalltheorie rund um die Budapest-Sause aus dem Jahr 2007. W&V Online hat bei Ergo nachgefragt.

Text: Markus Weber

30. Aug. 2012

Laut "Handelsblatt" waren bei der Ergo-Versicherung Sex-Reisen bis zum vergangenen Jahr ein "gängiges Belohnungsinstrument" für besonders erfolgreiche freie Versicherungsvertreter. Das Blatt widerspricht damit der von Ergo offiziell vertretenen Einzelfalltheorie rund um die Budapest-Lustreise aus dem Jahr 2007.

Laut der Zeitung zeigen drei interne Revisionsberichte, dass sowohl vor als auch nach der Budapestreise immer wieder Sex-Reisen für freie Vertreter auf Konzernkosten stattgefunden hätten. Noch im vergangenen Jahr (im Mai 2011 war die "Party Total" in der Budapester Gellert-Therme öffentlich bekannt geworden) seien die besten Vermittler von der Frankfurter Geschäftsstelle nach Jamaika in den Swinger-Club "Hedonism II" eingeladen worden. Die Reise mit zehn Teilnehmern habe eine Woche lang gedauert.

Interne Berichte etwa über einen Bordellbesuch auf Mallorca im Jahr 2005 und Swinger-Club-Reisen nach Jamaika aus den Jahren 2009, 2010 und 2011 lägen dem Ergo-Vorstand seit über einem Jahr vor, schreibt die Zeitung. Dennoch halte das Unternehmen an seiner Einzelfalltheorie fest.

Auf Anfrage von W&V Online hieß es dazu bei Ergo: "Unsere Revision ist im letzten Jahr diversen Hinweisen nachgegangen und hat eine Vielzahl von Reisen geprüft. In Art und Umfang zu Budapest Vergleichbares gab es nicht. Bei der Mallorca-Reise 2005 ließ sich nicht final aufklären, was dort passiert ist. Die Jamaika-Reisen in den Club Hedonism II waren dezentral organisiert, d.h. vom selbstständigen Vermittler in Eigenregie."

Bei solchen von selbstständigen Vermittlern in Eigenregie organisierten Reisen gewähre das Unternehmen nach bestimmten Regeln einen Zuschuss. Die Auswahl der Hotels und die inhaltliche Ausgestaltung der Reise werde dabei nicht überprüft.

Seit Mitte vergangenen Jahres gilt bei Ergo eine verbindliche Richtlinie für Incentive-Reisen und ein Verhaltenskodex für selbstständige Vermittler.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.



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