Stadtwerke :
Sexismus-Kritik: Die Plakat-Blamage von Wuppertal

Die Wuppertaler Stadtwerke wollten mit witzig gemeinten Plakaten für den vorderen Einstieg in Bussen werben. Eine Kampagne, die nach hinten losging.

Text: Frauke Schobelt

- 15 Kommentare

Die Stadt Wuppertal ist bekannt für ihre schöne Schwebebahn. Seit mehr als 100 Jahren rattert und schlängelt sich die "alte Lady" quer durch den Ort - das Wahrzeichen ist eine feine Sache für das Stadtmarketing. Nun bringen jedoch ihre vergleichsweise langweiligen Kollegen, die Busse der Wuppertaler Stadtwerke (WSW), die Stadt ins Gespräch. Aber nicht so, wie es sich Tourismusmanager eigentlich wünschen.

Die Stadtwerke warben mit ziemlich missverständlichen Plakaten, die in Medien und sozialen Netzwerken ordentlich Prügel bezogen. Viele fanden die doppeldeutige Headline "Hinten rein?", garniert mit dem Bild einer überraschten Frau oder ein geschockten Oma, überhaupt nicht witzig. Und kritisierten die Motive als sexistisch.

Dabei war es doch nur gut gemeint: Die Motive sollen Fahrgäste aufklären, dass seit dem 4. Januar an den meisten Haltestellen nur noch der Einstieg an der vorderen Bus-Tür erlaubt ist. Zum Thema Hinter- und Vordereinstieg im öffentlichen Nahverkehr herrscht nämlich offenbar ziemliche Verwirrung in Wuppertal, seit 2010 die elektronische Ticketprüfung in Bussen eingeführt wurde. Neue Regeln sollen nun für mehr Klarheit und weniger Missverständnisse sorgen - und Schwarzfahrern das Leben schwer machen. Wobei die vielen Ausnahmen für Hinter-, Vorder- und -Mitteleinsteiger nicht weniger verwirrend sind.

Die Stadtwerke reagierten auf die Kritik. Laut der "Westdeutschen Zeitung" wurden die beanstandeten Plakate mittlerweile abgehängt und durch unverfängliche Motive ersetzt. Die "Bild" zitiert WSW-Sprecher Holger Stephan: "Das war eine Aktion mit Augenzwinkern. Dass da so heftig drauf reagiert wird, hätten wir nicht gedacht. Wir leben ja nicht mehr in den Fünfzigern..." Aber in einem Land, durch das seit der Silvesternacht in Köln eine heftige Sexismus-Debatte brandet. Und das deshalb zurzeit besonders viel Sensibilität erwartet.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



15 Kommentare

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Anonymous User 15. Februar 2016

Was Bild zitiert, interessiert echt nicht. Wenn jemand echten Sexismus, Rassismus und Volksverdummung zelebriert, dann die. Dass Journalisten den Laden ernsthaft noch als Quelle ansehen ist ganz schön traurig.

Anonymous User 9. Februar 2016

Die Aseag in Aachen wollte auch durchsetzen, dass Fahrgäste die Busse an der vorderen Tür einsteigen.

Das hat Anfangs gut funktioniert, weil die Fahrer konsequent nur vorn öffenten (sofern niemand aussteigen wollte). Und wenn doch jemand hinten eingestiegen ist, gabs per Microdurchsage einen öffentlichen Rüffel.

Das hielt dann aber nur ca. 6 - 12 Monate, inzwischen steigen wieder alle ein wo sie wollen.

Anonymous User 26. Januar 2016

Wieso Blamage? Nach der BVG Kampagne endlich mal ein andere Arbeit fuer einen oeffentlichen Betrieb die Spass macht.

Anonymous User 23. Januar 2016

Gegen die Bilderwelt ist ja gar nichts zu sagen, aber die Headline"Hinten rein?" ist wirklich suboptimal. Bsser wäre eine benefit- und insightorientierte Headline gewesen, die strategisch exakt auf die Zielgruppe fokussiert, z. B. "Hallo Mädel, heute schon was Warmes im Mund gehabt?". Aber Agentur und Auftraggeber geht es offenbar nur um einen schnellen Witz mit sexueller Doppeldeutigkeit, was ich ich hiermit nochmals in aller Eindeutigkeit ablehne – nicht zuletzt im Hinblick auf übergeordnete Ziele wie Klimaschutz und Klingelingeling, na Sie wissen schon.

Anonymous User 22. Januar 2016

Leute die sich hier aufregen, drehen wohl auch durch, wenn in Verpackungsbeilage eines Medikamentes steht, dass es oral eingenommen werden muss. Oder?

Anonymous User 21. Januar 2016

Das Plakat hat überhaupt nichts mit Sexismus zu tun.

Niemand wird aufgrund seines Geschlechts diskriminiert o. Ä. Wenn man sich schon darüber aufregen will, kann man es eventuell als obszön, anstößig oder ordinär bezeichnen oder kritiseren, dass Frauen in der Werbung sexualisiert werden. Aber auch letzteres ist kein Sexismus.

Anonymous User 20. Januar 2016

Einfach nur lächerlich. Und dann noch Werbung für das Lügenblatt "Bild" mit einbauen. Da kommt einem das Mittagessen wieder hoch.

Anonymous User 20. Januar 2016

Pennäler-Humor und angestaubte Gestaltung – passt doch!

@ Bergisches Land:
"Warum muss eigentlich immer sofort an Sex gedacht werden?"
Weil die Motive genau dies äußerst plump implizieren sollen!

Anonymous User 20. Januar 2016

Wenn es absichtlich mit "Augenzwinkern" war ist es echt ein wenig unsensibel.
Haben die ja anscheinend schon zugegeben.

Ansonsten regen sich über sowas nur Leute auf, die sonst nichts aufregendes erleben oder bei denen sich sonst nichts mehr regt.

Anonymous User 19. Januar 2016

Ich finde das Layout schlimmer als den Text. Welche Agentur verbricht so etwas?

Anonymous User 19. Januar 2016

Einfach mal locker durch die Hose atmen, ihr verklemmten Hermaphroditen!

Anonymous User 19. Januar 2016

Wieso Blamage? Ich finde das Plakat ziemlich super.

Anonymous User 19. Januar 2016

Warum muss eigentlich immer sofort an Sex gedacht werden? Das ist doch kein Fehler des Plakates, sondern eher der Gesellschaft.

Anonymous User 19. Januar 2016

Ein Schelm, wer böses denkt. Vielleicht hätte man wenigstens noch einen erschrockenen jungen Mann zeigen sollen. ;-)

Anonymous User 19. Januar 2016

Immer wieder wird unter Beweis gestellt, dass der Mensch nur ca. 20% seines Gehirns nutzt. Und dieser Teil scheint nicht einmal im Kopf zu liegen - eher im Rückenmark.
Die WSW könnte in der Fortsetzung der Kampagne ihren Busfahrern Cappies aufsetzen mit der Aufschrift: "Ich bin kein Hinterlader".

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