Stadtwerke :
Sexismus-Kritik: Die Plakat-Blamage von Wuppertal

Die Wuppertaler Stadtwerke wollten mit witzig gemeinten Plakaten für den vorderen Einstieg in Bussen werben. Eine Kampagne, die nach hinten losging.

Text: Frauke Schobelt

Die Stadt Wuppertal ist bekannt für ihre schöne Schwebebahn. Seit mehr als 100 Jahren rattert und schlängelt sich die "alte Lady" quer durch den Ort - das Wahrzeichen ist eine feine Sache für das Stadtmarketing. Nun bringen jedoch ihre vergleichsweise langweiligen Kollegen, die Busse der Wuppertaler Stadtwerke (WSW), die Stadt ins Gespräch. Aber nicht so, wie es sich Tourismusmanager eigentlich wünschen.

Die Stadtwerke warben mit ziemlich missverständlichen Plakaten, die in Medien und sozialen Netzwerken ordentlich Prügel bezogen. Viele fanden die doppeldeutige Headline "Hinten rein?", garniert mit dem Bild einer überraschten Frau oder ein geschockten Oma, überhaupt nicht witzig. Und kritisierten die Motive als sexistisch.

Dabei war es doch nur gut gemeint: Die Motive sollen Fahrgäste aufklären, dass seit dem 4. Januar an den meisten Haltestellen nur noch der Einstieg an der vorderen Bus-Tür erlaubt ist. Zum Thema Hinter- und Vordereinstieg im öffentlichen Nahverkehr herrscht nämlich offenbar ziemliche Verwirrung in Wuppertal, seit 2010 die elektronische Ticketprüfung in Bussen eingeführt wurde. Neue Regeln sollen nun für mehr Klarheit und weniger Missverständnisse sorgen - und Schwarzfahrern das Leben schwer machen. Wobei die vielen Ausnahmen für Hinter-, Vorder- und -Mitteleinsteiger nicht weniger verwirrend sind.

Die Stadtwerke reagierten auf die Kritik. Laut der "Westdeutschen Zeitung" wurden die beanstandeten Plakate mittlerweile abgehängt und durch unverfängliche Motive ersetzt. Die "Bild" zitiert WSW-Sprecher Holger Stephan: "Das war eine Aktion mit Augenzwinkern. Dass da so heftig drauf reagiert wird, hätten wir nicht gedacht. Wir leben ja nicht mehr in den Fünfzigern..." Aber in einem Land, durch das seit der Silvesternacht in Köln eine heftige Sexismus-Debatte brandet. Und das deshalb zurzeit besonders viel Sensibilität erwartet.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.