Die teilweise gedrückte Stimmung hat natürlich plausible Gründe: Die Hälfte der europäischen Unternehmen (49 Prozent) hat in den letzten zwölf Monaten Umsatz- oder Gewinnrückgänge verzeichnet und erwartet im Verlauf des Jahres keine Verbesserung. Knapp ein Fünftel gab an, vor der Pandemie eine starke finanzielle Leistungsfähigkeit gehabt zu haben, zum jetzigen Zeitpunkt hingegen mit negativem Umsatz- oder Gewinnwachstum für die nächsten zwölf Monate zu kalkulieren. Die Studie bezeichnet diese Unternehmen als "Falling Angels", "gefallene Engel".

Nur ein Drittel der europäischen Unternehmen erwartet in den nächsten zwölf Monaten ein profitables Wachstum - sie werden in der Studie "Tomorrow's Leaders" genannt. Die Wahrscheinlichkeit, zu dieser Gruppe zu gehören, ist bei Unternehmen, die sowohl bei der Implementierung von digitalen Technologien als auch von nachhaltigen Verfahren führend sind, fast dreimal so hoch.

Am Wendepunkt

"Die Digitalisierung hat die 2010er Jahre bestimmt. Dabei haben sich die Unternehmen durchgesetzt, die diese Transformation in Geschwindigkeit und Umfang angeführt haben", so Jean-Marc Ollagnier, CEO von Accenture in Europa. "In diesem Jahrzehnt erfasst die Wirtschaft eine neue Welle des Wandels – hin zu mehr Nachhaltigkeit. Wie europäische Unternehmen diese 'Zwillingstransformation' bewältigen, wird nicht nur darüber entscheiden, wie schnell sie sich von der Krise erholen, sondern auch darüber, wie gut sie positioniert sind, um nach der Pandemie nachhaltig zu wachsen."

Um diese "Zwillingstransformation" erfolgreich voranzutreiben, schlägt die Studie mehrere strategische Ansätze vor. Dazu zählt die Förderung von ökosystembasierten Geschäftsmodellen, die von Nachhaltigkeit angetrieben und durch Technologie ermöglicht werden. Eine andere Strategie ist die Kombination von Ressourcen, um Technologieanwendungen für nachhaltige Verfahren zu skalieren.

Führende Unternehmen im Bereich der Zwillingstransformation investieren laut der Studie insgesamt stärker in Innovation und geben mehr als zehn Prozent ihres Jahresumsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Sie betrachten Nachhaltigkeit und Technologie nicht als getrennte Prioritäten. Ein weiter wichtiger Punkt ist die Förderung von Talenten. Der Aufbau und die Förderung von Talenten "sind essenziell, um aus der Transformation messbaren Mehrwert für das Unternehmen zu ziehen", so Accenture.

Wer zu spät handelt, verliert

Klar könnten europäische Unternehmen den gewohnten Weg weitergehen. "Dann werden sie allerdings zusehen müssen, wie andere Firmen sich einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen", mahnt Ollagnier. Die Alternative: "Sie schließen sich den Vorreitern an, indem sie den Mehrwert ausschöpfen, der in der Verbindung von innovativer Technologie und Europas traditionellen Stärken wie Nachhaltigkeit, Solidarität und Sinnhaftigkeit liegt."

Die Studie basiert auf einer Befragung von 4051 C-Level-Führungskräften in 13 Ländern und 19 Branchen. Die Umfrage wurde im November 2020 durchgeführt und umfasst Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Zu den vertretenen Branchen gehören Luft- und Raumfahrt & Verteidigung, Fluggesellschaften/Reisen/Transport, Automobil, Banken; Kapitalmärkte, Kommunikation/Medien/Unterhaltung, Chemie, Konsumgüter, Energie, Gesundheit, Hightech, Industriegüter & Ausrüstung, Versicherung, Pharma/Biotech/Life Sciences, Öffentlicher Dienst, Einzelhandel, Software/Plattformen und Versorgungsunternehmen.

Die befragten Unternehmen stammen aus Australien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Singapur, Spanien, UK und den USA.



Manuela Pauker
Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde