#HereIAm :
So geht das: JC Penney, McGarry Bowen und die dicken Mädchen

Mode für Übergrößen: In Sachen Werbung meist eine eher verspannte Angelegenheit. Schluss damit macht der US-Handelskonzern JC Penney.

Text: Susanne Herrmann

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Liebe dich selbst - eine der wichtigsten Botschaften der #HereIAm-Frauen. JC-Penney-Spot mit u.a. Ashley Nell Tipton.
Liebe dich selbst - eine der wichtigsten Botschaften der #HereIAm-Frauen. JC-Penney-Spot mit u.a. Ashley Nell Tipton.

Mode für Übergrößen: Die ist vielleicht in Katalogen, Spezialabteilungen und Onlineshops zu finden - aber eher selten in der Werbung (eine Ausnahme zum Beispiel hier). Eher verkniffen und pseudolocker kommen die wenigen Auftritte daher, die Modemarken ihrer größten Kundengruppe hin und wieder zeigen. Nicht ganz überraschend, bedenkt man, wie gnadenlos die Netzgemeinde sein kann - oder die Betreiber selbst. Verbannte doch kürzlich Facebook eine Werbeanzeige mit Plus-Sizie-Model Tess Holliday mit Verweis auf seine "Gesundheitsrichtlinie".

Die Handelskette JC Penney pfeift auf "das können wir doch nicht machen" und versteckt seine pfundigen Weiber nicht länger. Ganz ganz langsam verändert sich trotz verbissen betriebener Selbstoptimierung der Gesellschaft der Blick auf Frauen, die von Heidi Klum im Leben kein Foto bekommen würden. Und JC Penney lehnt sich hier jetzt so richtig aus dem Fenster, schnappt sich seine neue Stammagentur McGarry Bowen und wirbt für seine Übergrößenlinie Here I Am.

Und zwar un-verschämt, mit vielleicht einem Hauch zu viel Leidensgeschichten - aber dann drehen die Frauen, die anscheinend die Idealmaße verfehlt haben, richtig auf. Allesamt übrigens das, was die Digitalmarketer heute "Influencer" nennen: die Sängerin Mary Lambert, "Project Runway"-Siegerin und Modedesignerin (auch für JC Penney) Ashley Nell Tipton, Instagram-Yogatrainerin Valerie Sagun, die Bloggerin und Designerin Gabi Fresh und die Autorin Jes Baker. "Diese Frauen", schreibt das Frauenportal Bustle.com, "sind nicht nur schön, sondern inspirierend."

In einem langen Webvideo erzählen die fünf Frauen von den Erfahrungen, die sie schon als Kinder mit dem Schlankheitswahn gemacht haben - und feiern anschließend ihr Leben, ihre Kurven, ihre Schönheit, ein unverkrampftes Selbstbewusstsein. "Here I Am" - da bin ich! Unter dem Motto gehen sie auch raus in die Welt, ins Netz, unter dem Hashtag #HereIAm - verstecken ist nicht. "Dicke Mädels können alles tun, was sie wollen", sagen sie. Und man stimmt ihnen von Herzen zu, wenn sie klarstellen: "Meine Kleidergröße ist nicht Ausdruck meines Werts."

Und dem haben wir ausnahmsweise mal gar nichts hinzuzufügen.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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Anonymous User 23. Juni 2016

Zunächst mal ist es klasse, dass man Frauen hier Selbstbewusstsein vermitteln möchte. Und ja, der Schlankheitswahn von GNTM ist furchtbar. Aber das hat nichts mehr damit zu tun. Das ist schlicht ungesund. Für mich völlig unverständlich, wie man immer wieder krampfhaft versucht dick sein als Lebensstil darzustellen. Was ist das? Der neue Hipster Trend? McDonalds Strategie gegen den Umsatzrückgang?
Vielleicht wäre es ja besser Menschen von einer gesunden Lebensweise überzeugen?
Was sagt man bei der eintretenden Diabetes? Dem ersten Herzinfarkt? "Ich dachte es wäre cool, dick zu sein?"
Und ja, "Meine Kleidergröße ist nicht Ausdruck meines Werts." ist völlig richtig! Aber muss man das so zelebrieren?

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