Provokation und Gegenprovokation :
So kess kontert Bayer den Anti-Glyphosat-Clip des WWF

Das Thema Glyphosat wird in der Gesellschaft sehr emotional diskutiert. Gegen einen Spot des Umweltverbands WWF geht Bayer nun mit einer Persiflage an.

Text: Susanne Herrmann

Unter dem Motto "Fakten statt Vorurteile" stellte Bayer ein Youtube-Video des WWF gegen Glyphosat nach.
Unter dem Motto "Fakten statt Vorurteile" stellte Bayer ein Youtube-Video des WWF gegen Glyphosat nach.

„Ist die Reaktion von Bayer auf WWF in Ordnung?”

Das Thema Glyphosat wird in der Gesellschaft sehr emotional diskutiert. Sowohl Chemieindustrie als auch Umweltverbände liefern Argumente - doch die widersprechen einander, ebenso wie diverse Studien zum Thema. Die Debatte polarisiert - und wird, wie viele im Netz, zunehmend hitzig.

Dennoch will der Chemikonzern Bayer, der den Einsatz von Glyphosat für sinnvoll hält*, es nicht einfach hinnehmen, wenn er vom Umweltverband WWF provoziert wird: In diesem Fall mit einem Youtube-Video, das Bayer in einem Atemzug nennt mit der "postfaktischen Meinungsbildung" und dem Mangel an Fakten in Netz-Debatten sowie dem Ignorieren von Botschaften, die nicht ins Bild passen.

Um diesen WWF-Film geht es:

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Anlass für Bayer, sich zu fragen: "Haben wir im digitalen Zeitalter das Recht, ähnlich provokant zu antworten?" Offenbar kam man zu dem Schluss: Ja - aber. "Derartige Provokationen" habe Bayer nicht "einfach ignorieren" wollen, schreibt der Konzern auf seiner Webseite "Bayer-Magazin". Um das folgende Video dann mit diesem "Wir könnten, aber wir würden ja nicht" einzuleiten: eine wirklich rein rhetorische Frage.

"Aber können wir für uns genau dasselbe Recht und die gleichen Mittel in Anspruch nehmen, um unsere Perspektive darzustellen – selbstredend, ohne dabei zu manipulieren oder falsche Fakten zu verbreiten? Wenn ja, dann hätte eine Antwort auf das Video des WWF in etwa so aussehen können:"

Um dann die Kurve zu nehmen: Bayer gehe es um Fakten, nicht um Stimmungsmache, sagt der Konzern. Als Kommunikationsschachzug trotzdem clever - und in Werberkreisen, so wie hier, kommen Persiflagen ja in der Regel gut an.

Das Video gibt es nur im Bayer-Blog - auf Youtube unter anderem deshalb nicht, so ein Kommentar im Bayer-Blog auf eine entsprechende Frage, "damit der Hintergrund verstanden und der Film auch richtig eingeordnet wird. Schließlich geht es nicht darum, eine möglichst hohe Verbreitung zu erreichen, sondern zu hinterfragen, wie Unternehmen mit derartigen digitalen Kampagnen heutzutage am besten umgehen sollten".

Wie seht ihr das: "Darf" Bayer WWF mit einer Persiflage kontern? Und so mit digitalen Kampagnen umgehen?

*) Bayer verdient nach eigener Aussage bislang kaum mit Glyphosat. Das Produkt werde aber an Bedeutung zunehmen, wenn die geplante Übernahme von Monsanto klappt.

„Ist die Reaktion von Bayer auf WWF in Ordnung?”


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.