Fußball-WM :
So systemkritisch wirbt Babbel zur WM in Russland

Mit einer Kampagne zur WM will sich die Sprachlern-App Babbel für die Rechte von LGBTI-Menschen in Russland - und überall auf der Welt - stark machen. Das könnte polarisieren.

Text: Verena Gründel

Die WM-Kampagne von Babbel spielt auf die LGBTI*-Rechte in Russland an.
Die WM-Kampagne von Babbel spielt auf die LGBTI*-Rechte in Russland an.

"Sprachen lernen für alle." So lautet das Motto von Babbel. Für eine Kampagne zur Fußball-WM in Russland interpretiert der Sprachlern-App den Claim neu und macht sich für die dortigen LGBTI-Rechte (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuell) stark. Damit will sie ermutigen, zum Anlass des Events russisch zu lernen - aber auch kritisch über Gleichberechtigung und Freiheit in Russland nachzudenken. 

Dafür hat Babbel inhouse unter der Leitung von Creative Lead Danna Blum zwei Kampagnenmotive entwickelt. Eines zeigt ein lesbisches und eines ein schwules Pärchen, jeweils in deutschen und russischen Fanfarben. Daneben steht auf Russisch und Deutsch "Ich bin mit einer Frau verheiratet" oder "Ich bin mit einem Mann verheiratet."

Ein Zeichen gegen die Genderung der Sprache

Die Schriftzüge spielen auf eine Besonderheit der russischen Sprache an, die stark gegendert ist. So könne man den Satz "Ich bin verheiratet" nicht geschlechtslos ausdrücken. In der russischen Grammatik ist es nicht vorgesehen, dass eine Frau sagt, "Ich bin mit einer Frau verheiratet". Gleiches gilt umgekehrt für Männer.

Babbel-WM-Kampagne

Die Babbel-WM-Kampagne ist unter anderem auf OoH-Medien an der Fanmeile in Berlin zu sehen.

Die Russisch-Linguisten haben die Grammatik auf den Motiven entsprechend abgeändert, um die inklusiven Botschaften möglich zu machen. Zugegeben - diese tiefere Ebene der Kampagne erkennt nur ein Kenner der russischen Sprache. Die prinzipielle Botschaft versteht aber auch der Rest. 

Die Motive werden ab dem ersten WM-Sonntag auf großen OoH-Medien rund um die Fanmeile in Berlin zu sehen sein. Außerdem schaltet Babbel Anzeigen in deutschen Tageszeitungen wie der Bild am Sonntag. Zudem gibt es eine Onlinekampagne. Dass die Botschaft polarisiert, ist dem Marketing-Team von Babbel bewusst: "Wir hoffen, über den Hashtag #Babbelforall eine Diskussion anzuregen."


Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.