"Life at home"-Report :
So veräppelt Ikea Foodporn auf Instagram

Den Drang vieler Mitmenschen, ständig kunstvoll drapierte Bilder ihres Essens auf Instagram zu posten, veräppelt Ikea in diesem neuen Online-Spot. Dafür verlegt der Möbelkonzern den Wettbewerb um Perfektion kurzerhand ins Zeitalter des Rokoko. 

Text: Frauke Schobelt

- 2 Kommentare

"Foodporn" gab es auch im Rokoko. Mit einem deutlich höheren Aufwand.
"Foodporn" gab es auch im Rokoko. Mit einem deutlich höheren Aufwand.

Den Drang vieler Mitmenschen, ständig kunstvoll drapierte Bilder ihres Essens auf Instagram zu posten, veräppelt Ikea in diesem neuen Online-Spot. Um die Absurdität dieses obsessiven Verhaltens zu entlarven, verlegt der Möbelkonzern den Wettbewerb um das schönste Bild kurzerhand in das vorrevolutionäre Frankreich. Auch damals war "Foodporn" beliebt: Im Zeitalter des Rokoko und zuvor im Barock gehörten opulente Gelage bei den Adeligen zum Lifestyle und wurden in ebenso opulenten Stilleben festgehalten. Ein berühmter Vertreter dieser Kunst: Der Barock-Maler Pieter Claez, der wohl auch hier Pate stand. 

Allerdings gab es damals keine sozialen Netzwerke und so erfordert im Spot das Erstellen des Stillebens und die anschließende Bewertung - "Like" - durch das Publikum einen erheblich höheren Aufwand - und gute Nerven von den Familienmitgliedern. 

"Entspann dich", so lautet der gut gemeinte Rat von Ikea. "Es ist ein Essen. Kein Wettbewerb." Für die Kreation verantwortlich ist die Stockholmer Agentur Acne

In den Spot fließen Erkenntnisse aus dem mittlerweile dritten "Life at home"-Report ein, für den Ikea rund 12.000 Personen in zwölf Hauptstädten weltweit zu ihren privaten Wohn- und Lebensverhältnisse befragen ließ. Dabei offenbart sich eine große Diskrepanz zwischen dem, was sich Menschen wünschen und wie sie tatsächlich leben. Obwohl 73 Prozent der Befragten sagen, sie kochen, um sich zu Hause zu fühlen, fehlt 42 Prozent die Zeit, um dies täglich zu tun. Und 34 Prozent der Alleinlebenden wünschen sich, sie könnten öfter mit anderen zusammen essen.

Gleichzeitig geben 60 Prozent der Befragten an, dass sie regelmäßig auf Social Media nach neuen Essensideen forschen. Doch der Drang zur perfekten Präsentation "setze oft unmögliche Standards" und hinterlasse bei vielen das Gefühl, "unzureichend" zu sein, so Ikea. Der Spot soll dazu beitragen, sich von diesem Stress zu verabschieden und die richtigen Prioritäten zu setzen: Handy aus und lieber ein entspanntes Essen mit der Familie genießen, als das nächste Bild auf Instagram zu posten.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



2 Kommentare

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Anonymous User 23. August 2016

@Ron Sommer: Acne, steht im Text.

Anonymous User 3. August 2016

Würde man doch glatt gern wissen, wers gemacht hat...

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