Doch Aufklärung muss weh tun, wenn sie reinigen soll, wenn sie Vertrauen schaffen und das Übel an der Wurzel packen soll. Und die liegt bei Volkswagen in der bisherigen Unternehmenskultur, die Betrug, kriminelle Machenschaften und eine unglaubliche Arroganz förderte. Die Ingenieurskunst hinkte dem Produktversprechen hinterher? Kein Problem: Was nicht passt, wird passend gemacht. Schließlich bauen wir "Das Auto". Die US-Umweltbehörde EPA mahnt und niemand reagiert? Diese Arroganz fliegt Volkswagen nun zu Recht um die Ohren.

Um sein beschädigtes Image zu retten, hat sich Volkswagen "schonungslose Aufklärung" und Transparenz verordnet. "Dabei machen wir vor nichts und niemandem Halt. Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber er ist für uns ohne Alternative. Für uns zählt einzig und allein die Wahrheit. Das ist die Voraussetzung für die grundlegende Neuausrichtung, die Volkswagen braucht", sagt Volkswagen-Chef Matthias Müller. Dem Konzern bleibt auch gar nichts anders übrig. Denn der Betrug zerstört den Markenkern, entlarvt die schöne, umwelt- und menschenfreundliche VW-Welt als Lüge. Und zeigt die Grenzen der Ingenieurskunst, auf die der Konzern so stolz ist.

Der Konzern muss diesen inneren Reinigungsprozess fortsetzen und glaubhaft machen, dass er sich von Grund auf erneuert. Dafür muss er in eigene Abgründe blicken, alles in Frage stellen, alte Seilschaften kappen und den Finger in die schlimmsten Wunde legen. Um dann aus dem Scherbenhaufen einen besseren Konzern zu bauen. Der vielleicht irgendwann nicht mehr die Nummer eins, aber trotzdem wertvoller ist. Weil das Markenbild nach außen auch innen passt. 
 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.