"Die Autobauer tun gut daran, sich nicht mehr auf Stromkonzerne und Regierung zu verlassen", sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Universität Duisburg-Essen. Bislang galt die Frage der Ladeinfrastruktur als klassisches Henne-Ei-Problem: Weil bislang so wenige E-Autos auf deutschen Straßen fahren, sind die Ladesäulen aus wirtschaftlicher Sicht noch ein Zuschussgeschäft.

Aus diesem Grund kündigte die Bundesregierung an, 300 Millionen Euro für den Ausbau der Ladeinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Bis 2017 will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) außerdem 400 Schnelllade-Stationen an Autobahn-Raststätten aufstellen.

"Damit E-Autos künftig auch für längere Strecken attraktiv sind, muss es vor allem an Autobahnen ausreichend Schnellladesäulen geben", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Wegen der mangelnden Reichweite galt als bevorzugter Einsatzort für Elektroautos bisher vor allem der Stadtverkehr. Die höchste Dichte an Ladepunkten findet sich in großen Städten wie Berlin und Hamburg.

Mit dem Plan für Schnelllade-Säulen entlang der Hauptverkehrsadern könnten die Autohersteller das Reichweiten-Problem relativieren. Denn wenn das Aufladen eines E-Autos so einfach und schnell geht wie das Befüllen eines Tanks, verliert die Reichweite an Bedeutung.

Neu ist die Idee allerdings nicht. Mit ihrem Konzept kopieren die Autobauer den Elektroauto-Pionier Tesla. Um die Verkäufe ihrer E-Sportwagen anzukurbeln, stellte die US-Firma kurzerhand weltweit Ladestationen auf. Inzwischen ist das Netz auf mehr als 700 Ladestationen mit 5000 Ladepunkten angewachsen. In Europa hat Tesla gut 260 seiner "Supercharger" installiert.

Die deutschen Autobauer wollen noch einen draufsetzen. Statt der 120 Kilowatt von Tesla sollen ihre Ladesäulen 350 Kilowatt Leistung bieten. Damit sollen E-Auto-Batterien in wenigen Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden können. An einer normalen Steckdose dauert das sieben bis acht Stunden.

Außerdem setzen die Autokonzerne auf den in Europa als Standard angedachten CCS-Stecker ("Combined Charging System"). Dieser erlaubt das Laden mit Gleich- und Wechselstrom und ist mit verschiedenen bestehenden Systemen kompatibel. "Das ist ein wichtiger Schritt", resümiert Dudenhöffer. Aber: "Schade, dass es so spät passiert." (dpa)


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W&V Redaktion
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