Deutscher Computerspielpreis :
Spiele auf CD sterben aus - die Zukunft gehört Virtual Reality

Virtual-Reality-Brillen sind die Zukunft der Computerspiele, Farmville gehört der Vergangenheit an: Zur Verleihung des Deutschen Computerspielpreises in München spricht Andreas Lange, Direktor des Berliner Computerspielemuseums, über Trends in der Branche.

Text: Deutsche Presse-Agentur

Andreas Lange ist Direktor des Computerspielemuseums in Berlin und Jurymitglied des Deutschen Computerspielpreises. Am Rande der Preisverleihung am Donnerstagabend in München sprach er mit der Deutschen Presse-Agentur über Trends in der Branche - und erklärt, warum das Facebook-Bauernhof-Spiel Farmville tot ist und was auf dem Markt künftig noch aussterben wird.

Was sind Ihrer Ansicht nach die großen neuen Computerspiel-Trends?

Die neuen Virtual Reality-Brillen werden von allen mit großer Spannung erwartet. Das sind schon ganz andere Spiel-Erlebnisse. Dabei wird es allerdings spannend sein, welche Spiel-Prinzipien sich überhaupt in Virtual Reality übertragen lassen. Mit schnellen und rasanten Spielen wird das nicht funktionieren. Das ist dann zu viel. Das werden für die Spiele-Designer neue Herausforderungen. Das zweite große Thema sind Mixed-Reality-Games, die man üblicherweise auf dem Handy spielt. Das sind Spiele wie Ingress von Google, bei denen man sich tatsächlich im Realraum bewegen muss. Man hat also eine Vermischung von physikalischen und virtuellen Orten, muss beispielsweise in der realen Wüste Pokemons mit seiner App einsammeln und dazu wirklich an dem Ort sein. Nintendo wird das Spiel im Laufe des Jahres auf den Markt bringen.

Zum Verkaufsstart des Galaxy S7 hat Samsung den Spieleklassiker "Space Invaders" zu neuem, "virtuellen" Leben erweckt. Mit Virtual Reality Brille:

Und was geht gar nicht mehr?

Spiele, die auf Social-Media-Plattformen wie Facebook aufsitzen wie Farmville. Es wird heute nicht mehr als so interessant und spannend empfunden, Statusmeldungen von seinen Freunden zu bekommen, was für ein neues Beet angelegt wurde. Hier hat sicher eine Übersättigung stattgefunden. Die Zukunft der Spiele liegt nicht auf sozialen Plattformen.

Und welcher Trend wird sich als nächster verabschieden?

Ich glaube, wir stehen vor der Verabschiedung der klassischen Datenträger mit Verpackung und Handbuch. Wir haben fast 30.000 Original-Spieleboxen in unserer Museumssammlung. Das war früher das Normale, es gab ja keine anderen Vertriebswege. Man musste die Leute von den Regalen aus ansprechen. Da hat inzwischen ein radikaler Wandel hin zum Download eingesetzt. Manchmal gibt es zwar noch DVD-Boxen, aber die enthalten dann keinen Datenträger mehr, sondern nur noch einen Download-Code.

Glauben Sie an die Zukunft der Spielekonsole?

Die Konsolen sind ziemlich stabil. Der Spielplatz Wohnzimmer mit dem großen Fernseher, bequemen Sesseln und dem gemeinsamen Spielen mit mehreren ist eine emotionale Ebene, die Smartphones und auch die Virtual Reality-Brille nicht bieten können. Hier muss man die Ur-Natur der Spiele sehen, die vor allem daraus ihre Attraktion aus dem gemeinsamem Erleben schöpfen.

Besteht die Hauptzielgruppe für Computerspiele heute noch aus 15-jährigen Jungs?

Die Gamer werden älter - wenn auch nicht ganz so alt, wie die Statistiken der Verbände es nahelegen. Die weisen inzwischen ein Durchschnittsalter von Ende 30, Anfang 40 aus, aber das ist mit Vorsicht zu genießen. Oft wird dabei danach gefragt, wer schon einmal in seinem Leben ein Computerspiel gespielt hat - und das heißt ja noch lange nicht, dass sie regelmäßig spielen. Aber insgesamt erhöht sich das Durchschnittsalter natürlich. Die Gamer der ersten Stunde sind heute 70. Eine Generation, die nie damit in Berührung gekommen ist, gibt es also fast gar nicht mehr. Außerdem sind zunehmend auch weibliche Spieler am Start. Früher stand die Technik bei Computerspiele noch sehr im Vordergrund. Heute, seit alles intuitiver ist, spielen auch Frauen mehr.

Deutscher Computerspielpreis: Als bestes deutsches Spiel wurde "Anno 2205" ausgezeichnet: 

Zweiter großer Gewinner des Abends war das von einem polnischen Entwickler ins Leben gerufene Spiel "The Witcher 3: Wild Hunt", das gleich in zwei internationalen Kategorien und den Publikumspreis gewann.

(Interview: Britta Schultejans, dpa) 

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