Interview mit Athletia-Chef Lukas Klumpe :
Sportmarketing auf Youtube: "Es geht nicht hauptsächlich um die Werbung"

Im Gespräch mit W&V Online erklärt Lukas Klumpe, Geschäftsführer des Sport-Vermarktungsnetzwerks Athletia, wie Sportmarketing via Youtube funktioniert.

Text: Daniel Lange

Lukas Klumpe gründete Athletia.
Lukas Klumpe gründete Athletia.

Nach zwei Jahre beim Multi-Channel-Netzwerk Mediakraft, dem größter Betreiber von Youtube-Netzwerken in Deutschland, gründete Lukas Klumpe das Sport-Vermarktungsnetzwerk Athletia. Im Athletia-Netzwerk befinden sich neben namhafter Sport-Verbänden und Medienhäuser auch Youtube-Stars wie die "Freekickerz" - der größte Youtube-Fußballkanal weltweit. "Sport funktioniert doch ein wenig anders als Comedy, Beauty und alles was News ist", sagt der 25-Jährige. Wie genau, erklärt er im Interview mit W&V Online.

Herr Klumpe, was macht das Youtube-Netzwerk Athletia?

Wir bei Athletia bündeln Inhalte und vermarkten diese dann zentral. Inhalte heißt bei uns: Partner-Inhalte von Creatoren und Rechtehaltern - das geht von Reiten über Fußball bis hin zum Gaming, Inhalte von Verbänden wie beispielsweise der FIBA (Basketball Weltverband) oder der EHF (europäischer Handball Verband), sowie Kooperationen mit Medienhäuser wie Sky und Sport1. Athletia ist tatsächlich ein ganz bunter Blumenstrauß aus allem, was man sich im Sport so vorstellen kann.

Was bedeutet das für einen Werbungtreibenden, der eine Werbung schalten möchte?

Was wir versuchen ist, mit den Kunden in Kampagnen zu denken. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Der Kunde bucht Pre-Rolls, Branded Content oder Aktivierungen für Websites und wir versuchen dann darum eine Geschichte zu erzählen, die sinnvoll ist. Was wir selten machen, ist, zu sagen: ‚Hier ist das Produkt, schaut es euch bitte an.’ Wir versuchen, die Elemente der Kampagne aufzugreifen. Wichtig ist, wenn ein Video mit einem Werbepartner entsteht, dass der User einen Mehrwert hat und der Inhalt profitiert.

Wie profitiert der Creator beziehungweise der Werbungtreibende? 

Der Werbetreibende profitiert durch die zielgruppen-genaue Steuerung und Messbarkeit, die aus unserer Sicht einen großen Vorteil gegenüber den klassischen Werbeformen bieten. Der Creator profitiert durch die Werbeerlöse, die es ihm möglich machen hochwertige Inhalte zu produzieren und seine Reichweite zu steigern, was dann wiederum auch Werbetreibenden einen langfristigen Mehrwert bieten kann.

Der Youtube-Kanal der Freekickerz ist eine einzige Erfolgsstory. Haben Sie Tipps, wie man es als Creator schaffen kann?

Erstens: Man muss einen langen Atem haben. Natürlich muss man auch eine gute Idee haben, sich immer weiterentwickeln und vor allem Lust auf das Thema haben. Wenn man auf Youtube heute groß werden will, muss man einfach sein Thema finden, dran glauben und dann sehr, sehr lange weitermachen. Der Hype entsteht in der Regel nicht an Tag eins und auch nicht in Monat zwei, sondern kann auch viel später kommen.

Wir hatten es vorhin von den Vorteilen der Vermarktung über Youtube. Was sind aber die Gefahren und Grenzen - Stichwort: Shitstorm?

(lacht) Ich glaube das Wort hat sich jemand ausgedacht, um Shitstorm-Management zu verkaufen. Aber ernsthaft: Sowas hatten wir noch nie. Wir hauen die Dinger ja nicht voll mit Werbung. Es geht immer noch um Inhalt und nicht hauptsächlich um die Werbung. Zudem besprechen wir immer mit unseren Channels in welcher Form und mit welcher Erwähnung sie das Produkt bestmöglich promoten können, ohne an Authenzität zu verlieren. Neben der schriftlichen Kennzeichnung, ist dabei die zusätzliche verbale Aufklärung, dass es sich um ein bezahltes oder gesponsertes Video handelt, für viele der sinnvollste Weg. Dann gibt es keinen Shitstorm sondern die Zuschauer freuen sich oftmals für den Kanal. Offen zu kommunizieren ist hier der Schlüssel. Ein Nachteil dieser Werbeform ist vielleicht, dass sie im Gegensatz zum Pre-Roll nur bedingt mulitplizierbar ist. Gute Ideen lassen sich logischerweise nicht so vervielfältigen wie eine buchbare Pre-Roll. Die Skalierbarkeit bleibt also ein wenig auf der Strecke. Kreativität und Inhalt ist aber nunmal schwer skalierbar - so wird es auch immer bleiben.

Wie funktioniert Ihrer Meinung nach gutes, erfolgreiches Sportmarketing im digitalen Zeitalter?

Im Sport haben wir ein ganz großes Thema - die sogenannte klassische Sponsorship. Das heißt, es werden nach wie vor Banden und Trikot-Sponsorings gebucht und Logos im Fernsehen eingeblendet - das sind Flächen, die man in ähnlicher vor auch bei Youtubern nutzen kann. Im Sportbereich ist also genau dieses Sponsoring auch digital zu adaptieren - mit dem großen Vorteil der besseren Messbarkeit. Die größte Aufgabe wird daher sein, diese Sport-Sponsorship ins digitale Zeitalter zu bekommen und den Werbekunden aufzuzeigen, warum diese Flächen sinnvoll sind – und eben diese Flächen auch mit klaren Perfomance-KPI’s zu unterlegen. Wenn wir das schaffen, werden Marken relativ schnell merken, dass es sinnvoll ist, im Sportumfeld zu werben.