Studie: Der Osten auf der Couch

Wer Krisen meistern muss, kann viel vom Osten lernen. Das zeigt eine psychologische Untersuchung des Rheingold-Instituts, das Ostdeutsche zu ihrer Haltung 20 Jahre nach der Wende befragte. Dank ihres Pragmatismus und Humors kommen sie besser mit schwierigen Situationen zurecht.

Text: Frauke Schobelt

20 Jahren nach der Wiedervereinigung stehen in den Köpfen der Deutschen immer noch die letzten mentalen Trümmer der Mauer. Viele Westdeutsche fühlen sich ihren östlichen Landsleuten überlegen, dabei können sie in vielen Bereichen und gerade in Krisenzeiten viel vom Osten lernen. Denn die Ostdeutschen haben es geschafft, gravierenden gesellschaftlichen und privaten Umbrüchen zu trotzen und ein eigenes und neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Und dank ihrer Erfahrungen kommen sie in Krisenzeiten besser zurecht.

Das Rheingold Institut analysierte im Auftrag von "SuperIllu" die psychologische Haltung von 80 Bürgern aus der ehemaligen DDR 20 Jahre nach der Wende. Dabei zeigten sich die „Ossis“ als besonders krisenresistent, durch ihre Erfahrungen bereits an drastische, wirtschaftliche Schwankungen gewöhnt. Sie können mit schwierigen ökonomischen Situationen besser umgehen als Westdeutsche, begegnen der aktuellen Lage mit pragmatischem Realismus, kombiniert mit gesundem Misstrauen und Improvisationstalent.

Schon in der Mangelwirtschaft der DDR lernten sie Genügsamkeit und die Kunst der Beschränkung auf das Wesentliche. Man verzichtet auf Luxus, kauft das Obst preiswert auf dem Markt und kocht oder bäckt selber. Wichtig ist nicht die Frage nach der Selbstverwirklichung, sondern nach der Notwendigkeit. Außerdem ist Nachbarschaftshilfe und gegenseitige Unterstützung nach wie vor weit verbreitet.

Obwohl die Menschen im Osten durchaus stolz darauf sind, die Krisen der letzten 20 Jahre produktiv bewältigt zu haben, leiden sie unter der fehlenden Anerkennung. Oft haben sie das Gefühl, dass ihre seelischen Leistungen vom Westen weder wahrgenommen, noch wertgeschätzt werden. Ihre Wut darüber zeigen sie jedoch selten offen. Die Mehrheit der Ostdeutschen meutert eher still. Und wehrt sich mit Humor, Ironie und Diplomatie.

Eine Zusammenfassung der Studie gibt es hier zum Download. Weitere Informationen bietet unsere Studiendatenbank.

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Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.