EU-Tabakrichtlinie :
Tabakhändler starten Kampagne gegen Schockbilder

Tabakladen statt "Gruselkabinett": Mit einer Unterschriftenaktion wollen die Tabakhändler Kunden gegen die von der EU geplanten Tabakrestriktionen mobilisieren.

Mit der Aktion "Dann ist der Laden weg" wollen Tabakhändler und Tankstellenbetreiber von Februar bis Mitte März gegen die Pläne der EU für eine verschärfte EU-Tabakrichtlinie mobil machen. 8000 Läden bundesweit sollen bei Kunden Unterschriften sammeln. Das Aktionsbündnis der Tabaklobby www.entscheiden-sie-selbst.de stattet die Händler zudem mit einem Aktionspaket aus: Mit T-Shirts, Buttons und Info-Flyern, geziert von einem Logo, das die EU als Abrissbirne für den Tabakladen nebenan zeigt. "Mündige Bürger müssen sich nicht vorschreiben lassen, welche legalen Genussmittel sie nehmen," sagt Rainer von Bötticher, Präsident des Bundesverbands des Tabakwaren-Einzelhandels (BTWE). Ein Tabakladen dürfe durch Schockbilder nicht zum Gruselkabinett verkommen.  

Im Dezember 2012 hatte der neue EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, Tonio Borg, überraschend schnell nach seinem Amtsantritt den von seinem Vorgänger John Dalli erarbeiteten Entwurf für eine verschärfte Tabakrichtlinie vorgelegt. Dalli war kurz vor der Vorlage dieses Entwurfs über Bestechungsvorwürfe gestürzt worden und die Tabakindustrie hatte bereits mit einer Verzögerung gerechnet. Der Entwurf sieht unter anderem vor, Packungen zu standardisieren und sie zu 75 Prozent mit Krankheits-Schockbildern zu bedecken. Slim-Zigaretten  und Aromastoffe wie Menthol sollen verboten werden. Derzeit prüfen Bundestag und Bundesrat den Entwurf für die EU-Richtlinie, bis zum 4. März soll es dazu eine Stellungnahme geben.

Die Tabakindustrie will wieder lautstärker für ihre Interessen trommeln und sieht im bevorstehenden Wahlkampf dafür einen guten Zeitpunkt. Mit dem ehemaligen BAT-Manager Dirk Pangritz hat der Zigarettenverband DZV  einen Geschäftsführer, der sich verstärkt um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern soll. Pangritz Vorgängerin Marianne Tritz hatte gehen müssen, weil man ihr Mängel in der öffentlichen Wahrnehmung der Tabaklobby angelastet hatte.


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.



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