Hallelujah! :
Teufel pimpt Orgel der Berliner Gedächtniskirche

Teufel in der Gedächtniskirche: Wie und warum der Lautsprecherhersteller acht Subwoofer auf die Empore in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gehievt hat.

Text: Rolf Schröter

Bass! Akustisches Fundament von Teufel für die Gedächtniskirche
Bass! Akustisches Fundament von Teufel für die Gedächtniskirche

Die Berliner Gedächtniskirche, die wegen ihres kaputten Dachs auch "hohler Zahn" genannt wird, hatte ein Problem: zu wenig Bass. Während eines Jazz-Gottesdienstes kam zufällig die Erlösung. Kirchenmusikdirektor Helmut Hoeft beichtete die akustische Untiefe einem interessierten Besucher: Christoph Klug. Der ist Elektronikingenieur beim Lautsprecherhersteller Teufel, der schräg gegenüber der Kirche sitzt.

Die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

Die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

Es ist nämlich so: Weitere Orgelpfeifen? Geht nicht. Die müssten über elf Meter lang und einen halben Meter dick sein. Aber die Gedächtniskirche steht unter Denkmalschutz.

Christoph Klug hörte zu und sprach mit dem Chef. Teufel-CEO Sascha Mallah war Feuer und Flamme. "Als Christoph mir von dem Projekt erzählt hat, war sofort klar: Hier müssen wir helfen. Wirklich stolz bin ich auf unsere Mitarbeiter, die viel ihrer Freizeit für dieses tolle Projekt geopfert haben".

Runter bis 16 Hertz: Um in diese Tiefen vorzustoßen, hat Teufel acht THX-zertifizierte Subwoofer installiert. Für Nicht-HiFi-Versierte: Subwoofer sind fette Bassboxen. Wohin damit? Schließlich sind wir in der Kirche! Also auf eine Empore hinter der Orgel, wo sie nicht zu sehen sind.

So sehen Berliner Orgelpfeifen aus

So sehen Berliner Orgelpfeifen aus

Dass die Orgel elektronische Hilfe von unten erhält, merkt der Kirchenbesucher nicht. "Es ist nicht einfach damit getan, ein paar Subwoofer hinter die Orgel zu stellen", erklärt Christoph Klug. Er und sein Kollege, Akustikingenieur Massimo Petriaggi sind selbst Musiker und spielen privat Orgel.

Die Subwoofer haben Klug und Petriaggi garniert mit einer digitalen Frequenzweiche und einem Midi-Interface. Die genutzten Samples sind digitale Aufnahmen von echten Orgelpfeifen. Damit die Zuhörer den Klang naturgetreu orten können, arbeiten außerdem ein PA-Verstärker und zwei Satellitenlautsprecher. Monatelang haben Klug und Petriaggi den Klang an die Raumakustik angepasst und die digitalen Register intoniert. Aus reiner Leidenschaft.

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Jetzt klingt die imposante Orgel der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin, mit ihren über 5000 Pfeifen, als Hybrid-Instrument in den Ohren und Mägen von Millionen Besuchern jährlich: Analog und digital - unmerklich vereint zum Lob Gottes. Eine wunderbare Zusammenarbeit von Kirche und Teufel.


Autor:

Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.