E-Reader :
Thalia lästert über Amazon-Kampagne

Buchhändler wie Thalia gehören nicht gerade zu den aggressivsten Werbungtreibenden. Doch der Online-Riese Amazon reizt ganz offensichtlich die Marketing-Abteilungen.

Text: Ulrike App

- 10 Kommentare

Buchhändler wie Thalia gehören nicht unbedingt zu den Werbungtreibenden mit hohen Budgets und einem aggressiven Ton. Doch der Online-Riese Amazon reizt ganz offensichtlich die Marketing-Abteilungen. Die sonst eher zurückhaltende Kette aus der Douglas-Gruppe schaltet Anzeigen in großen Tageszeitungen und lästert dabei über eine Kampagne der Amerikaner. Thalia textet: "Amazon war an 8 Bahnhöfen 30 Tage zu sehen. Großartige Kampagne, liebe Kollegen." Und setzt dagegen: "Thalia ist mit 300 Buchhandlungen und 5000 Mitarbeitern immer für Sie da."

Das Motiv ist Teil der Offensive unter dem Motto "Entdecke neue Seiten" (Agentur: SelectNY, Hamburg) in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die dabei eingesetzten Mitarbeiter sollen für Kompetenz stehen. Nicht nur zufällig posiert die Damen in der Anzeige vor einem unscharfen Kindle-Werbeplakat und hat dabei den E-Reader Tolino Shine in der Hand - ein deutsches Gemeinschaftsprodukt der Händler Thalia, Weltbild, Hugendubel, Club Bertelsmann und der Deutschen Telekom.

Auch im Fernsehen wird Amazon attackiert - in diesem Fall allerdings nicht von Thalia, sondern von den Verbündeten. Kommunikativ stürzen sich beide Lager ganz auf das Thema Ferienzeit. Im aktuellen TV-Spot von Amazon heißt es "Kindle - perfekt für den Urlaub". Die Argumente: Alle Bücher kann man so ganz einfach mitnehmen, Lesen ist auch im Sonnenlicht und bei Nacht möglich. Weltbild und Hugendubel greifen diese Punkte in der identischen Reihenfolge ebenso in ihrer Sommer-Version des Tolino Shine-Spots auf (Agentur: VSF&P, Hamburg).

Zum Vergleich: Amazons Reiseclip hat ziemlich viel Ähnlichkeit mit...

... dem Urlaubsspot von Hugendubel und Weltbild.


Autor:

Ulrike App
Ulrike App

ist bei W&V Online für Digitalthemen zuständig. Und das hat nicht nur mit ihrem Nachnamen zu tun, sondern auch mit ihrer Leidenschaft für Gadgets und Social Media. Sie absolvierte vor ihrer Print-Zeit im Marketing-Ressort der W&V die Berliner Journalisten-Schule und arbeitete als freie Journalistin.



10 Kommentare

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Anonymous User 1. August 2013

Hmm, verstehe ich das richtig, dann laufen die Leute also in den Laden um sich dann - nach der Beratung - das eBook zu kaufen?

Bei aller Liebe zum "stationären Buchhandel" - ich glaube ebenfalls nicht, dass hier viele Kunden erreicht werden. Denn eigentlich spricht das Konzept den eher konservativen Kunden an - und dieser nimmt dann vermutlich doch lieber das Taschenbuch mit. Denn natürlich kann croudsourcing den Handel zumindest bis zu einem bestimmten Grad ersetzen - im Internet habe ich unzählige Meinungen, nicht nur eine. Wenn ich die "Kritiker" auf Portalseiten wie goodreads ein bischen einschätzen gelernt habe, ist das Mittel der Meinungen weit aussagekräftiger als die Meinung eines einzelnen Mitarbeiters. Abgesehen davon kann ich beim Kindle von jedem Titel das erste Kapitel kostenlos lesen ... Ich kaufe, seit ich meinen Kindle habe, mehr Bücher als zuvor, habe aber weniger Fehlkäufe getätigt. Ach, und natürlich kann man mit dem Kindle auch Bücher aus diversen anderen Quellen lesen, ganz ohne Probleme. So habe ich unzählige "Indie-Bücher" direkt von den Autoren, die beiden Humble eBook Bundles, mehrere Storybundles etc. alles auf meinen diversen Endgeräten.

Ich bin mir relativ sicher, dass die verbleibende Schnittmenge an Kunden (eBooks, aber lieber in Geschäft gehen als im Internet recherchieren) sehr klein ist.

Ich drücke allen Buchhändlern ehrlich und aufrichtig die Daumen, zumal ich in der Familie auch einen solchen habe - aber auf diesem Weg wird das meiner Meinung nach nichts.

Anonymous User 9. Juli 2013

@Berta: Thalia beutet nicht aus? Na, da fragen Sie doch mal bei deren (ehemaligen) Azubis nach...

Anonymous User 3. Juli 2013

@Tobi: Richtig so! Die Buchhändler heutzutage verdienen sich zwar keine goldene Nase, aber immerhin ist ihr Einkommen bei weitem höher als das der Amazon-Mitarbeiter.

Anyways, das ist ja gar nicht das Thema.
Natürlich gibt es Kunden, denen ein Ansprechpartner am Telefon genügt.
Fakt ist aber, dass viele Kunden es schätzen, wenn sie jemanden haben, der ihnen vorort und von Angesicht zu Angesicht erklären kann, wie die ganze eReading-Geschichte läuft. Die kommen dann auch immer wieder zu den gleichen Kollegen. Ich erlebe es ja jeden Tag.
Da sich aber noch nicht genug rumgesprochen hat, dass es diese Möglichkeit gibt, war es höchste Zeit, dass man so eine Kampagne startet.
Amazon ist nämlich vorallem eines: ANONYM!

Welcher eReader einem jetzt besser gefällt muss man selbst entscheiden. Ich baue auf den Tolino, denn ich verlange nach dem offenen System. Es gibt ewig viele eBook-Shops, die ePub-Formate anbieten. Da stinkt Amazon ab!

Fazit: Klasse Kampagne! Klasse eReader! Klasse Mitarbeiter!

Anonymous User 3. Juli 2013

@Tobi: Richtig so! Die Buchhändler heutzutage verdienen sich zwar keine goldene Nase, aber immerhin ist ihr Einkommen bei weitem höher als das der Amazon-Mitarbeiter.

Anyways, das ist ja gar nicht das Thema.
Natürlich gibt es Kunden, denen ein Ansprechpartner am Telefon genügt.
Fakt ist aber, dass viele Kunden es schätzen, wenn sie jemanden haben, der ihnen vorort und von Angesicht zu Angesicht erklären kann, wie die ganze eReading-Geschichte läuft. Die kommen dann auch immer wieder zu den gleichen Kollegen. Ich erlebe es ja jeden Tag.
Da sich aber noch nicht genug rumgesprochen hat, dass es diese Möglichkeit gibt, war es höchste Zeit, dass man so eine Kampagne startet.
Amazon ist nämlich vorallem eines: ANONYM!

Welcher eReader einem jetzt besser gefällt muss man selbst entscheiden. Ich baue auf den Tolino, denn ich verlange nach dem offenen System. Es gibt ewig viele eBook-Shops, die ePub-Formate anbieten. Da stinkt Amazon ab!

Fazit: Klasse Kampagne! Klasse eReader! Klasse Mitarbeiter!

Anonymous User 3. Juli 2013

Der Kindle für €69 hat keine Hintergrundbeleuchtung und unbeleuchtete Reader gibt es bei Thalia bereits ab €49. Alle Geräte nutzen außerdem ein offenes System und schränken Dich beim Kauf von eBooks nicht ein oder löschen gar gekaufte Titel. Rückgabe und Umtausch sind bei Thalia, Hugendubel und Co. ebenso unkompliziert möglich, wenn Du eine Filiale in der Nähe hast sparst Du Dir sogar den Postweg. Englische ebooks gibt es bei thalia.de auch. Wo also ist der 'bessere' Service?

Dem einen Kunden mag Crowdsourcing genügen - andere bevorzugen eben das persönliche Gespräch mit einer ausgebildeten Fachkraft, die z. B. schon ein viertel bis halbes Jahr im Voraus weiß, welche guten Bücher kommen. Crowdsourcing kann keinen leidenschaftlichen Menschen ersetzen, der 30 Jahre im Beruf ist und seinen Job liebt. Wenn 'Kunden die dieses Buch gekauft haben' auch ein anderes Buch gekauft haben ist das keine Empfehlung sondern eine Datenauswertung und es bedeutet auch nicht automatisch, dass es sich damit um ein gutes, passendes Buch handelt!

Anonymous User 3. Juli 2013

Diese Thalia Kampagne wird nichts erreichen, außer Kunden, die ohnehin den stationären Buchhandel bevorzugen, in ihrer Meinung zu bestätigen.

Ein Amazon Kunde kommt ohne ausgebildete Buchhändler aus, da die online Plattform von Amazon die Recherche einfach macht. Durch die Bewertung anderer Kunden und die Funktion "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben kauften auch", findet man genau, was man sucht. Ein Buchhändler kann mich nicht so gut beraten, wie das Crowdsourcing aus hunderten von anderen Lesern, die einen ähnlichen Geschmack haben.

Der Amazon Kindle kostet übrigens 69 € und Amazon hat nicht nur das klassische Sortiment im Angebot, sondern darüber hinaus eigene Möglichkeiten für Autoren, ihre Werke zu veröffentlichen. Darüber hinaus sind internationale Titel in diversen Sprachen stets verfügbar.

Rückgabe und Umtausch sind bei Amazon auch kein Problem.

Welches mehr an Service braucht ein Kunde?

Wenn der örtliche Thalia, wenn ich vorbei schaue gerade Mal zufällig eine Ausgabe eines englisch sprachigen Buches, was ich gerade suche vorliegen hat, nehme ich es auch gerne mit. Das kommt aber in den seltensten Fällen vor.

Da stellt sich dann natürlich die Frage, was die Marketing Abteilung von Thalia bewerben sollte, wenn doch letztlich Amazon dem Kunden eine bessere Dienstleistung anbietet?

Letztlich bleibt nur der ethische Ansatz, dass Thalia keine Mitarbeiter ausbeutet. Außerdem sollte der stationäre Buchladen in der FuZo erhalten werden.

Dabei müsste man allerdings ignorieren, dass Großhandlungen wie Thalia den eigentlichen Buchhändler um die Ecke ja selbst zerstört haben. Ganz so ethisch ist das Unternehmen dann doch wieder nicht.

Anonymous User 3. Juli 2013

Das ist sogar verdammt gutes Marketing..

Wie viele Amazon-Kollegen kannst Du bitte persönlich ansprechen, wie viele Amazon-Leute können live und in Person Fragen beantworten? Welches vergleichbare Amazon-Produkt liegt unter 100 Euro und läßt Dich frei entscheiden wo Du einkaufst? Und wer hat das ganze Thema eReading in Deutschland groß gemacht?

Übrigens: Thalia hat Tarifverträge und beschäftigt keine Gastarbeiter auf eine ähnlich schäbige, menschenverachtende Art und Weise wie die amerikanischen Kollegen.

Dein Kommentar ist unqualifiziert - besser ein bisschen zum Thema nachlesen...

Anonymous User 3. Juli 2013

Da hat wohl jemand den Sinn nicht ganz verstanden. Es geht darum, dass der stationäre Buchhandel (ob nun Kette oder nicht) mit seinen ausgebildeten Buchhändlern den Kunden vor Ort adäquat beraten kann. Amazon dagegen ist reiner Internet-Buchhandel, ohne Beratung, ohne Ansprechpartner, ohne ausreichenden Service.

Anonymous User 3. Juli 2013

Da hat wohl jemand den Sinn nicht ganz verstanden. Es geht darum, dass der stationäre Buchhandel (ob nun Kette oder nicht) mit seinen ausgebildeten Buchhändlern den Kunden vor Ort adäquat beraten kann. Amazon dagegen ist reiner Internet-Buchhandel, ohne Beratung, ohne Ansprechpartner, ohne ausreichenden Service.

Anonymous User 2. Juli 2013

Auweia.... Das soll Marketing sein? Dann ist es um Thalia schlimmer bestellt als gedacht. Hier wurde mal wieder mit viel Testosteron eine Anzeige gemacht ohne den Fokus auf den Kunden und seine Bedürfnisse zu legen.

Ist nicht Amazon "immer" auch für mich da? Wurscht wieviele Leute dort arbeiten oder an wievielen Bahnhöfen, Flughäfen und Autobahnraststätten es zu sehen war.

Thalia: Note 6 - setzen.

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