Die ersten Motive der Thalia-Kampagne.

Die ersten Motive der Thalia-Kampagne.

 

Lesen verliert an Bedeutung

Die Werbekampagne für das Lesen scheint durchaus nötig. Nach einer in diesem Jahr veröffentlichten Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verliert das Lesen in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der Menschen, die im Jahresverlauf mindestens ein Buch kauften, sank zwischen 2013 und 2017 von 36 Millionen auf 29,6 Millionen. Die Zahl der jährlich verkauften Bücher ging in den vergangenen zehn Jahren um 37 Millionen auf 367 Millionen zurück. Weil aber der "harte Kern" der Bücherfreunde immer mehr Geld für sein Hobby ausgab, blieben die Branchenumsätze einigermaßen stabil.

"Unser Ziel ist ganz klar: Lesen muss wieder populär werden und darf nicht nur Luxushobby des Bildungsbürgertums sein", forderte Busch. Als Konkurrenz sieht er nicht so sehr andere Buchhändler, sondern Online-Dienste wie Youtube oder Netflix, die sich einen immer größeren Teil des Zeitbudgets der Verbraucher sicherten.

Online-Anteil liegt bei 20 Prozent

Thalia starte seine Kampagne aus einer Position der Stärke heraus, betonte Busch. Die Handelskette, die noch vor einigen Jahren um das Überleben kämpfte, stehe zwei Jahre nach der Übernahme durch ein Eigentümerkonsortium um die Freiburger Verlegerfamilie Herder "wirtschaftlich gesund" da. Im noch zwei Wochen dauernden Geschäftsjahr 2017/2018 habe das Unternehmen Umsatz und Ergebnis erneut gesteigert und werde Ende September schuldenfrei sein. Genaue Zahlen nannte Busch nicht.

Auch im Online-Handel mit Büchern sieht sich Thalia trotz der Dominanz des US-Giganten Amazon, der nach Branchenschätzungen zwischen 50 und 70 Prozent des E-Commerce-Geschäfts mit Büchern auf sich vereint, auf Erfolgskurs. Der Online-Anteil am Geschäft liege inzwischen bei knapp 20 Prozent und wachse weiter zweistellig, berichtete Busch. "Im Vergleich zum restlichen Buchhandel sind wir da in hoher Reiseflughöhe unterwegs."

Agilere Arbeitsweisen

Die Neuausrichtung prägt auch die Unternehmenskultur. Am neuen Gesamtauftritt der Marke Thalia haben mehr als 100 Mitarbeiter des Unternehmens über eineinhalb Jahre lang mitgewirkt. Diesen Prozess habe das Unternehmen "bewusst nicht hierarchisch angelegt", so Michael Busch "Vom Praktikanten bis zur Abteilungsleiterin sind sich alle auf Augenhöhe begegnet und haben gemeinsam zukunftsweisende Ideen entwickelt." Von der Einführung dieser neuen agilen Arbeitweisen mit mehr Transparenz und Eigenverantwortung habe die gesamte Organisation profitiert.

(fs mit dpa)


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W&V Redaktion
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