Gastbeitrag :
Tokio 2020: Neues Olympia-Logo nach Plagiatsvorwurf

Das japanische olympische Komitee zog nach einem Plagiatsvorwurf das Logo für die Olympiade in Tokio zurück und startete einen öffentlichen Wettbewerb. Warum diese Entscheidung richtig war, erklärt Lars Schlossbauer von Landor.

Text: W&V Leserautor

Das neue Logo für Tokio 2020 des japanischen Künstlers Asao Tokolo.
Das neue Logo für Tokio 2020 des japanischen Künstlers Asao Tokolo.

Am 24. Juli 2015 stellte das japanische olympische Komitee das Logo für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vor - und sah sich kurz darauf mit einem Plagiatsvorwurf des belgischen Designers Olivier Debie konfrontiert. Das Tokio-Logo habe eine große Ähnlichkeit mit seinem Entwurf für das Théâtre de Liège. Im September zog das Komitee das Signet zurück und schrieb einen öffentlichen Wettbewerb aus. 15.000 Vorschläge gingen ein, im Voting setzte sich nun der japanische Künstler Asao Tokolo durch (siehe oben). Warum die Entscheidung des Komitees richtig war, erklärt Lars Schlossbauer, General Manager Landor, in einem Gastbeitrag.   

Eine todsichere Sache

Nur sieben Monate nach dem Plagiatsvorwurf hinsichtlich des im Juli vorgestellten Logos wurde der Öffentlichkeit jetzt ein neues Markenzeichen für die Olympiade 2020 präsentiert. Unabhängig davon, ob die Kritik berechtigt war oder nicht; die Entscheidung ein neues Logo zu entwerfen war folgerichtig, denn ein Plagiatsvorwurf ist mit dem olympischen Gedanken unvereinbar.

Die Entscheidung des Komitees ein neues Signet zu entwerfen, ist insbesondere auch vor dem Hintergrund richtig, dass in Zeiten von Social Media Plagiatsvorwürfe und generell Negativschlagzeilen schnell ein großes internationales Publikum bekommen. Dies um so mehr, wenn es um so populäre Themen wie Olympia geht. Hinter dem Vorwurf steckte übrigens Folgendes: Der belgische Designer Olivier Debie hatte für das Théâtre de Liège ein Signet entworfen, das Ähnlichkeiten mit dem Olympia-Logo haben sollte. Sowohl der Designer als auch das Theater legten laut BBC Rechtsmittel ein.

Jetzt wurde der Öffentlichkeit also ein neues Logo präsentiert: weniger aufregend, weniger besonders, dafür aber todsicher. Todsicher, weil die Öffentlichkeit über soziale Medien in den kreativen Prozess eingebunden wurde. Der kreative Entstehungsprozess sollte damit zum einen transparent werden. Zum anderen konnte sicher gestellt werden, dass das neue Logo dem Geschmack der Masse entspricht.

Durchaus ein kluger Schachzug. Das Ergebnis dieses öffentlichen Kreativprozesses kann sich letztlich auch sehen lassen. Es ist eine klare Weiterentwicklung des Logos aus dem Jahre 1964 und verbindet japanische Tradition mit Moderne. Besonders originell ist es allerdings nicht. Zudem wird es einer strategischen Markenbildung nicht wirklich gerecht. Eine der wesentlichen Aufgaben eines guten Signets.

Das neue Logo ist wohl eher ein Kompromiss als ein prägnantes Markenzeichen. Dass öffentliche Kritik nicht unbedingt gegen ein Logo sprechen muss, beweist das Logo der Olympiade 2012 in London: Anfänglich von den Massenmedien kritisiert wurde es schließlich extrem gut angenommen.

Lars Schlossbauer, General Manager Landor.

Lars Schlossbauer, General Manager Landor.

 


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W&V Leserautor

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