So etwas wie 2013 soll nach dem Willen der Hilfsorganisationen nicht wieder passieren. Als damals eine Textilfabrik in Bangladesch zusammenstürzte und 1100 Arbeiter getötet wurden, mussten die Überlebenden in den Trümmern nach Etiketten suchen, um herauszufinden, für wen die Fabrik gearbeitet hatte.

Die Betroffenheit der Kunden hielt allerdings nicht lange an. Auch als sich 2014 ein Shitstorm an den Zuständen für Arbeiterinnen entzündete, flaute die Aufregung bald wieder ab. Den Umsätzen konnte es nichts anhaben.

Vor Primark haben in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche andere große Handelsketten wie H&M (siehe hier) oder C&A (siehe hier), aber auch Modemarken wie Adidas, Esprit oder Gap Lieferantenlisten veröffentlicht. Einige gehen bei den veröffentlichten Daten deutlich weiter als Primark.

Der für Ethik-Fragen bei Primark zuständige Top-Manager Paul Lister betonte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, man habe in der Vergangenheit aus Wettbewerbsgründen seine Lieferanten nicht offengelegt. Doch wolle sich Primark dem Branchentrend zu mehr Transparenz nicht länger entziehen. Schließlich lege man großen Wert auf vernünftige Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Kollektionen und überprüfe die beauftragten Fabriken regelmäßig.

Der Textildiscounter hat einen 35 Punkte umfassenden Verhaltenskodex, an dem sich Lieferanten orientieren müssen. Darin enthalten ist etwa ein Verbot von Kinderarbeit sowie die Forderung nach einem sicheren und hygienischen Arbeitsumfeld für die Beschäftigten.

Lister räumte allerdings ein, dass eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffe: "Bei einer Überprüfung, die in einer Fabrik in einem Entwicklungsland keinerlei Probleme entdeckt, wäre ich misstrauisch." Doch schaue Primark genau hin und versuche bei Missständen, in Zusammenarbeit mit den Fabriken Abhilfe zu schaffen.

Die neue Offenheit über Bezugsquellen wird von Berndt Hintzmann von der "Kampagne für Saubere Kleidung" begrüßt. "Transparenz ist einer der wichtigsten Schritte, um Probleme festzustellen und abzustellen", meint er. Allerdings sei es nur ein erster Schritt, weitere müssten folgen. Gut wäre es in den Augen des Aktivisten, wenn Primark sich selbst öffentlich Ziele setzen würde, was das Unternehmen tun will, um etwa existenzsichernde Löhne für die Beschäftigen in den Fabriken sicherzustellen. Und über den Erfolg auch Rechenschaft ablegen würde. Gerade wenn große Ketten wie H&M und Primark hier ihre Kräfte bündeln würden, könnten sie in den Fabriken viel erreichen, meint Hintzmann.

Lister will weitere Schritte jedenfalls nicht ausschließen: "Unternehmensethik gleicht immer einer Reise. Es geht immer weiter - aber es ist schwierig zu sagen, was als nächstes kommt."

Für den Marketing-Experten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist jedoch klar, dass die großen Textilhändler schon aus eigenem Interesse auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen müssen. "Der Druck auf die Handelsketten, für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion zu sorgen, wächst", erklärt er. "Denn die Kunden wollen sich gut fühlen, wenn sie etwas kaufen. Sie wollen kein schlechtes Gewissen dabei haben."

Erich Reimann, dpa


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W&V Redaktion
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