"Unterhaltsam, zuverlässig und schwarz": Hans Sarpei wird Social Media Consultant bei Karstadt Sports

Profifußballer und Social Media-Star Hans Sarpei macht sein Hobby zum Nebenberuf und nutzt eine Rehapause, um Karstadt Sports als Social Media Consultant zu beraten. Im Interview mit W&V Online spricht Sarpei über den Hype um seine Person, was Marken von seiner Geschichte lernen können und Zukunftspläne.

Text: Frauke Schobelt

22. Aug. 2012

Die Fußballfans müssen in der Vorrunde der Bundesliga auf Hans Sarpei verzichten. Die Social Media Fans haben dafür noch mehr von Hans Sarpei. Der 36-jährige Fußballprofi unterschreibt nicht bei einem neuen Verein, sondern nutzt seine durch eine Knieverletzung bedingte Reha-Pause, um ab sofort Karstadt Sports als Social Media Consultant zu beraten. Sarpei (210.000 Facebook-Fans) soll Karstadt Sports (17.000 Fans) helfen, im Social Web bekannter zu werden. Davon sollen aber auch seine Fans profitieren, geplant sind Aktionen und Promotions. "Wir freuen uns, dass wir mit Hans Sarpei einen absoluten Voll-Profi in Sachen Social Media verpflichten konnten", erklärt Arne Züll vom Karstadt Sports Marketing.

Die Geschichte von Hans Adu Sarpei ist ein Social Media Phänomen. Von der Reservebank beim FC Schalke 04 landete der Fußballprofi innerhalb eines Jahres im Rampenlicht von Facebook und Twitter: Dank den Schalker Bloggern von Web0.4 und einer treuen Fangemeinde, die das Mem "Hans Sarpei gefällt das" in mehr als 1000 Facebook-Gruppen seit 2011 hingebungsvoll pflegt - und Sarpei damit übermenschliche Kräfte zuschreibt ("Hans Sarpei kann seinen eigenen Elfmeter halten.") Hans Sarpei wusste den Hype zu nutzen und belebt den Starkult mit humorvollen Posts: Der ghanaische Nationalspieler lässt seine Fans an seinem Leben teilhaben und kommentiert aktuelle Themen, nicht nur aus der Fußballer-Welt.

Im Interview mit W&V Online erzählt Hans Sarpei, wie er mit dem Hype umgeht, was Marken von seiner Geschichte lernen können und welche Pläne er für die Zukunft hat. 

Ihr Vertrag bei Schalke 04 ist ausgelaufen: Welche Rolle spielt der Social Media Hype um Ihre Person bei den Verhandlungen mit anderen Vereinen?

Aktuell bin ich in der Reha, so dass ich erst zur Rückrunde wieder auf dem Platz stehen kann. Ob ich dann, wie viele meiner Fans meinen, den HSV retten muss oder zu Raul nach Katar wechsle, steht noch nicht fest. Grundsätzlich möchte ich jedoch, wenn die Gesundheit es zulässt, noch ein bis zwei Jahre spielen.

Was unterscheidet den Fußballer Hans Sarpei vom Blogger Hans Sarpei?

Der Blogger ist definitiv lockerer als der Linksverteidiger.

Wie viel Zeit verbringen Sie täglich im Internet und in den sozialen Netzwerken? Wieviel posten und twittern Sie im Monat? Was ist die perfekte Dosis?

Täglich rund zwei Stunden, wobei der Spaß im Vordergrund steht.

Wie haben Sie Social Media vor dem Hype genutzt? Wie wichtig war es Ihnen?

Seit knapp zwei Jahren nutze ich Facebook und Twitter, seit rund sechs Monaten auch Google+. In dieser Zeit bin ich vom Gelegenheitsnutzer zum Heavy User geworden.

Mit 210.000 Fans auf Facebook und 24.000 Followern auf Twitter und etlichen Fangruppen passiert ständig etwas. Haben Sie Helfer, die das Geschehen mitverfolgen?

Ein klassisches Monitoring oder dergleichen habe ich nicht. Schon gar keine Agentur, wie der ein oder andere mutmaßte. Fakt ist jedoch, dass ich mich mit einem Freund von Jung von Matt regelmäßig austausche und mir viele Fans Sprüche für meine Seite senden.

Kultfiguren polarisieren. Wo große Fanliebe ist, sind auch Hass und Häme nicht weit. Wie gehen Sie mit Kritik in Social Media um?

Ich akzeptiere sie und höre genau hin: Was ist echte Kritik, was dagegen nur Geschwätz.

Der Kult um Ihre Figur wurde zum Teil von Ihnen selbst ausgelöst, zum Teil von Fans initiiert und weitergetragen. Sie selbst haben mal gesagt „Ich weiß gar nicht, woher das kommt“. Aber Sie haben es verstanden, den Hype zu nutzen und vor allem zu erhalten. Glauben Sie, so etwas lässt sich taktisch planen?

Einen großen Anteil an dem Kult haben die Fans, die bis heute über 1000 Facebook-Seiten mit meinem Namen gegründet haben, sowie die Blogger von Web04. Einen richtigen Boom erlebte die Geschichte durch die Berichterstattung der damals noch inoffiziellen Facebook-Page des FC Schalke 04. Allen drei Gruppierungen bin ich sehr dankbar.  Sie sind der Grund, warum ich mich im letzten Jahr sehr viel intensiver mit den sozialen Netzwerken beschäftigt habe.

Warum haben Sie sich irgendwann professionelle Unterstützung von Jung von Matt und Raphael Brinkert geholt? Ab welchem Punkt brauchten Sie eine Strategie?

Raphael hat seinerzeit die damals noch inoffizielle Facebook-Seite des FC Schalke 04 betrieben. Ich habe ihn über meinen Mitspieler Christoph Metzelder kennengelernt. Seitdem tauschen wir uns zu dem Thema Social Media und meiner langfristigen Karriereplanung regelmäßig aus.

Jung von Matt hat Ihre Social-Media-Beliebtheit in einer Casestudy untersucht. Welche Erkenntnis ist für Sie die wichtigste?

Für mich war es interessant zu lesen, wie sich meine Person im Laufe der Zeit im Netz entwickelt hat. Von einem Fußballer, den nur Insider kennen, zu einer Person mit Ecken und Kanten, die ich schon immer war. Nur dass es jetzt ein paar mehr Leute mitbekommen.

Laut Studie basiert ein Teil Ihres Erfolges auf Witz und Selbstironie und auf der breiten Themenvielfalt. Ob Fußball, Flughafen Berlin, Olympia oder Bundespräsidentenwahl. Sie haben zu allem eine Meinung. Schauen selbst bei Mirko Kaminski und seinem Youtube-Regal vorbei. Gibt es eine Strategie, nach der Sie die Themen auswählen? Soundsoviel Prozent Fußball und der ganze Rest?

Ich mach was mir Spaß macht und mich als Person weiterbringt. Mit 36 Jahren muss ich mich als Fußballer – wohl oder übel - langsam auf meine zweite Karriere vorbereiten.  

Wie erklären Sie sich die hohe Viralität Ihrer Seite? Warum machen so viele so gerne mit?

Weil jeder weiß, dass es mir viel Freude bereitet mich mit den Fans auszutauschen. Bis heute versuche ich jede Facebook-Nachricht und jeden Tweet zu beantworten. Auch wenn es die Anfrage nach dem Vorwort einer Abi-Zeitung ist, die ich im Anschluss an alle Fans poste. Das bekommen die Fans mit und das unterscheidet mich von vielen anderen.

Wie wichtig für den Kult ist es, dass es auch T-Shirts gibt mit „Hans Sarpei gefällt das“-Aufdruck, ein Buch mit den besten Sprüchen, dass der reale Hans Sarpei Präsenz zeigt, z.B. in Werbespots, beim Emscherbeatfestival? Wie wichtig ist Nähe zu den realen Fans?

Die T-Shirts sind ein nettes Gimmick, aber Geld verdienen kann man damit bislang nicht. Wichtig ist die Nähe zu und der direkte Austausch  – egal ob vor Ort oder durch das Schreiben von Posts und Tweets.

Rückblickend auf die letzten Monate: Haben Sie Fehler in Social Media gemacht, die Sie heute vermeiden würden?

Vielleicht sollte ich in Zukunft netter zu Felix Magath und Tim Wiese sein.  

Marken fürchten den Kontrollverlust und Shitstorms auf Facebook und Twitter. Wenn es aus dem Ruder läuft: Wie sollte man Ihrer Ansicht nach reagieren?

Ich würde jedem Unternehmen raten, berechtigte Vorwürfe ernst zu nehmen. Der Dialog mit den Fans hilft, sich langfristig zu verbessern – egal ob man Fußballer oder eine Zahnpasta ist.

Welche Auftritte von Marken und anderen Personen gefallen Ihnen auf Facebook und warum?

Mir gefallen insbesondere die Seiten von internationalen Stars, die sehr viel selbstverständlicher mit dem Thema Social Media umgehen, weil sie einige Jahre Vorsprung haben. Ein gutes Beispiel sind die Spieler der spanischen Elf, die schon während der Siegerehrung Posts und Tweets versandt haben, während die DFB-Elf im Vorfeld der EM einen Verhaltenskodex auferlegt bekam.

In der Case Study von Jung von Matt heißt es, Sie seien auf dem besten Weg zur Markenpersönlichkeit. Wie würden Sie die Marke „Hans Sarpei“ beschreiben?

Unterhaltsam, zuverlässig und schwarz.  

Wie reagieren andere Fußballer auf den Hype? Werden Sie um Rat gefragt?

In der letzten Zeit immer häufiger und ich freue mich, Spielern mit meinen Erfahrungen sowie Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Trotz sportlicher Erfolge standen Sie als Fußballer nicht oft im Rampenlicht, als Social Media Phänomen dagegen schon. Macht Sie das glücklich?

Selbstverständlich. Es beinhaltet jedoch die persönliche Herausforderung, dass ich immer häufiger auf der Straße oder beim Abendessen im Restaurant erkannt werde.

Sie sprechen als Keynote-Speaker beim Social Media Economy Day, sammeln Lorbeeren als Co-Kommentator. Jetzt unterstützen sie Karstadts Sports. Könnten Sie sich Social Media als späteres Berufsfeld nach ihrer aktiven Fußballerlaufbahn vorstellen? Oder bleiben Sie dem Fußball treu?

Natürlich kann ich mir vorstellen, mein Hobby zu Beruf zu machen. Einmal hat es ja schon geklappt.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Karstadt Sports zustande?

Wir hatten erstmalig während der EM-Aktion von Karstadt Sports Kontakt, als ich bei einem Fan das Deutschland-Spiel geschaut habe. Im Anschluss haben wir uns locker über verschiedene Optionen unterhalten.
 
Was sind künftig Ihre Aufgaben als Social Media Consultant?

Meine Aufgabe ist es Karstadts Sports in den sozialen Netzwerken zu unterstützen und bekannter zu machen. Selbstverständlich werde ich auch einige Posts schreiben oder Angebote unter die Lupe nehmen.
 
Hans Sarpei hat deutlich mehr Fans auf Facebook als Karstadt Sports. Werden Sie unter Ihrem Namen für Karstadt Sports posten? Was erwartet die Fans? Bleiben Sie dort dem Fußball treu?

Mein klares Ziel ist es, in der Rückrunde wieder Fußball zu spielen. Die Reha lässt glücklicherweise genügend Zeit zu, mein Hobby für einige Wochen zum Nebenberuf zu machen. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.

Und was erwarten/erhoffen Sie sich von Ihrem neuen Aufgabengebiet?
 
Ich hoffe, meine Expertise in dem Bereich weiter zu vertiefen. Das jetzige Engagement sehe ich als weiteren Schritt meiner persönlichen Weiterentwicklung, von dem beide Seiten profitieren.  

Wie geht es mit Ihren Werbeverträgen weiter, z.B. für Nappo?

Die aktuelle Aktion mit Nappo läuft ganz normal weiter. Weitere Werbeverträge habe ich derzeit nicht. Grundsätzlich möchte ich auch nur mit wenigen Marken zusammen arbeiten.

Was sind außer „Hans Sarpei – das „L“ steht für Gefahr“ Ihre momentan persönlichen Lieblingssprüche?

Aktuell gefällt mir der Fanvergleich mit Messi, der in wenigen Stunden über 20.000 Likes hatte und über 1.000 Mal geteilt wurde. Ich musst echt lachen, als ich lesen durfte, dass ich mehr als 5 Bundesligatore habe, Messi jedoch keins.  

Mehr über seinen neuen Job und den 5-Punkte-Plan bei Karstadt Sports verrät Hans Sarpei auf www.facebook.com/karstadtsports.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit