UEFA/ECA :
Verabschiedet sich der FC Bayern aus der Bundesliga?

Die Spitzenclubs wollen Champions League und andere europäische Pokalwettbewerbe von 2024 an gerne aufs Wochenende verlegen. Das würde die nationalen Meisterschaften abwerten.

Text: Markus Weber

Münchner Allianz-Arena: Vielleicht gibt es dort ab 2024 nur noch europäischen Fußball zu sehen.
Münchner Allianz-Arena: Vielleicht gibt es dort ab 2024 nur noch europäischen Fußball zu sehen.

230 Spitzenvereine aus 54 Landesverbänden sind in der European Club Association (ECA) organisiert. 160 davon trafen sich jetzt am 10. und 11. September bei der Generalversammlung in Split an der kroatischen Küste.

Geführt wird die Club-Vereinigung von Andrea Agnelli, dem Präsidenten des italienischen Serienmeisters Juventus Turin. Und dieser Mann hat große Pläne.

Von 2021 an soll neben Champions League und Europa League ein dritter europäischer Wettbewerb eingeführt werden. In dieser Frage haben die im ECA organisierten Spitzenclubs bereits ihr grünes Licht gegeben. Es fehlt jetzt nur noch die Zustimmung des UEFA-Exekutivkomitees.

Außerdem kündigte Agnelli in seiner Rede vor den 160 Vereinen an, dass als nächstes der internationale Matchkalender umfassend reformiert werden soll. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer Mittwochsausgabe (12.9.) davon, dass die ECA Spiele der europäischen Wettbewerbe von 2024 an gerne am Wochenende stattfinden lassen will. Agnelli forderte in seiner Rede, dass vornehmlich die Spitzenvereine den künftigen Matchkalender austüfteln sollten, weil allein sie "das unternehmerische und sportliche Risiko tragen". Bei der UEFA gibt man sich in der Frage offenbar gesprächsbereit.

Zwei-Klassen-Gesellschaft: Meisterschaften leiden zunehmend unter Langeweile

Durch den dritten europäischen Vereinswettbewerb würde sich die Zahl der jährlich teilnehmenden Mannschaften auf 96 Teams erhöhen: nämlich 32 pro Wettbewerb. Profitieren sollen die kleineren der 55 UEFA-Mitgliedsverbände, deren Vertreter so gut wie keine Chance mehr haben, sich für die Champions League zu qualifizieren - und die deshalb wirtschaftlich ums Überleben kämpfen.

Klar ist aber auch: Werden die (künftig) drei europäischen Wettbewerbe jeweils an den Wochenenden ausgespielt, käme das einer Abwertung der nationalen Meisterschaften gleich.

Andererseits ist seit längerem zu beobachten, dass die nationalen Ligen zunehmend langweiliger werden. In Italien hat Juventus Turin die letzten sieben Meisterschaften in Serie gewonnen. Der FC Bayern München bringt es in Deutschland auf sechs Meistertitel hintereinander.

Möchte sich der FC Bayern auf mittlere oder lange Sicht aus der Bundesliga verabschieden? Mancher wäre darüber möglicherweise gar nicht mehr so traurig. Eine W&V-Anfrage bei der Pressestelle des FC Bayern blieb bislang unbeantwortet.

Im vergangenen Jahr hatte FC-Bayern-Präsident Karl-Heinz-Rummenigge die ECA-Führung nach fast zehn Jahren an Agnelli abgegeben. In einem Interview mit der FAZ hatte er eine europäische Superliga unter Abspaltung der Top-Clubs "zumindest bis zum Jahr 2024" ausgeschlossen.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.