Provokation scheint also die Devise der Kampagne zu sein, doch ganz treu bleibt die Kampagne ihrem Konzept nicht. Vor allem die Plakate mit den Angeboten Kinder betreffend sind augenscheinlich aggressiver gestaltet, als für erwachsene Menschen: Die Altenheime der Caritas beispielsweise werden mit einem lächelnden, basketballspielenden Senioren-Pärchen illustriert und wirken ungleich harmlos.

Die Image-Kampagne des Bistums bewirbt die Angebote der katholischen Kirche unterschiedlich provokant.

Die Image-Kampagne des Bistums bewirbt die Angebote der katholischen Kirche unterschiedlich provokant.

Dreiecke in verschiedenen Rottönen

Das neue Markenzeichen des Bistums zeigt ein Kreuz, das sich aus Dreiecken in verschiedenen Rottönen zusammensetzt und dem ein Teil des Querbalkens fehlt. Daneben steht als Wortmarke: Katholische Kirche, Bistum Münster. In angepasster Form werden viele katholische Einrichtungen die Wortbildmarke übernehmen: vom Bischöflichen Generalvikariat und Offizialat, über die Kreisdekanate bis hin zu den Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen

Laut Bischof Genn versteht das Bistum Markenentwicklung als Prozess einer inhaltlichen Selbstvergewisserung der eigenen Identität. Und in diesem Verständnis ist es "hilfreich, dass wir als katholische Kirche professionelles Marketing betreiben", erklärte er. Die Kirche steht laut Genn vor massiven und radikalen Veränderungen. Zugleich vertrauten viele Menschen der Kirche nicht. und eben dieser Vertrauensverlust sei sehr schmerzlich. 

Radikales Konzept gegen Unzufriedenheit

Die Kampagne ist eine Reaktion auf die alarmierenden Ergebnisse eine Umfrage von 2015. Vor drei Jahren hatte das Bistum in einer Zufriedenheitsstudie 1.000 Katholiken befragt, wie zufrieden sie mit den Angeboten der katholischen Kirche seien. "Die repräsentativen Ergebnisse zeigten nicht nur eine insgesamt sehr hohe Unzufriedenheit. Wir konnten der Studie auch entnehmen, dass viele Menschen gar nicht wissen, bei welchen Angeboten, die sie gerne nutzen, es sich um solche der katholischen Kirche handelt. Das möchten wir im Zuge der Markenentwicklung ändern: Wo katholische Kirche drin ist, sollte auch katholische Kirche draufstehen."

Ob das verhältnismäßig radikale Konzept aufgeht, und sich vor allem Familien von den provokanten Plakaten angesprochen fühlen, bleibt abzuwarten.


Autor:

Belinda Duvinage

legt ein besonderes Augenmerk auf alle Marketing-Themen. Bevor die gebürtige Münchnerin zur W&V kam, legte sie unter anderem Stationen bei burdaforward und dem Münchner Merkur ein, leitete ein regionales Magazin in Göttingen und volontierte bei der HNA in Kassel. Den Feierabend verbringt sie am liebsten mit ihren drei Jungs in der Natur, auf der Yogamatte, beim perfekten Dinner mit Freunden oder, viel zu selten, einem guten Buch.