Crowdfunding :
VKU baut die Content- und Image-Maschine

Der VKU ist ein unscheinbarer Verband. Umso beachtlicher ist sein Schritt, eine White-Label-Plattform für seine 1458 Mitglieder zu gründen - eine Mischung aus Problemlöser und nahezu perfekter Werbemöglichkeit

Text: Rolf Schröter

Vom Traum zur Realität
Vom Traum zur Realität

Hauptfeuerwehrfrau Christiana Bongard hatte einen Traum: Ein Miniatur-Einsatzfahrzeug. Die Leiterin der Kinderfeuerwehr Menden wollte damit die vor acht Monaten ins Leben gerufene Truppe von 6- bis 12-jährigen Nachwuchsfeuerwehrfrauen und -männern trainieren. Die Kosten dafür: 8500 Euro.  
Christiana Bongard hat ihren Traum verwirklicht. 82 Unterstützer haben seit Anfang Mai 8775 Euro gespendet. Jetzt soll das Einsatzfahrzeugchen bis zum ersten Geburtstag der Kinderfeuerwehr von ehrenamtlichen Helfern auf die Räder gestellt werden.

Hinter diesem Projekt steht eine Crowdfunding-Plattform namens Menden-Crowd, die von den Stadtwerken Menden betrieben wird. Wer hätte das gedacht: Die Stadtwerke Menden als digitale Avantgarde. Dabei steht hinter der Menden-Crowd wiederum die Stärke eines großen Interessenverbands namens Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) aus Berlin.

Dort hatten Carsten Wagner und Jens Leonhäuser die Idee zu der so genannten White-Label-Plattform, einem Crowdfunding-Modell, das bundesweit gleich, aber jeweils auf die regionale Ebene maßgeschneidert, funktioniert. Carsten Wagner ist Geschäftsführer Kommunikation des VKU, und Jens Leonhäuser ist Geschäftsführer der auf Sponsoring spezialisierten Beratungsagentur Steilpass aus Stuttgart.

Dem VKU gehören 1458 Mitglieder an: Unternehmen aus der Energieversorung, der Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie der Abfallwirtschaft und der Stadtreinigung. Sprich: Unternehmen, die man braucht, aber nicht liebt. Zweieinhalb Jahre lang probierten VKU und Steilpass über verschiedene Workshops, ob die Idee einer Crowdfunding-Plattform tatsächlich einen wirklichen Mehrwert für diese Unternehmen bietet. Dann nahmen sie Kontakt zu Fairplaid auf, einem Unternehmen, das auf Crowdfunding im Sport spezialisiert ist.

Die Geldeinsammel-Profis aus Stuttgart waren sofort von der VKU-Idee überzeugt. Fairplaid-Geschäftsführer Torsten Lührs sagt: "Die zwei wichtigsten Faktoren für den Erfolg eines Projekts sind erstens das Thema und zweitens die regionale Identität." Die VKU-Plattform sei also "quasi eine selbstdrehende Kommunikation".

Das trifft die Sache ganz gut. Schließlich bilden die Crowdfunding-Projekte für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. Der VKU stärkt seine Marke und damit auch die Position seiner Mitglieder. Die wiederum haben die Möglichkeit, eine individuelle Kommunikationsplattform aufzubauen – nämlich im eigenen look and feel. Und das gegen eine genossenschaftlich geringe Lizenzgebühr. "Kommunale Unternehmen können jetzt mit gleich bleibendem Spendenbudget mehr Projekte fördern. Sie schaffen neue Kommunikationsanlässe und erzeugen dadurch virale Effekte", erklärt Carsten Wagner.
Die lokalen Vereine wiederum – wie die Freiwillige Feuerwehr Menden – erhalten Geld für ihre Projekte aus einer sicheren und vertrauenswürdigen Quelle und machen die gemeinsame Sache durch unterstützende Kommunikationsmaßnahmen größer.

Wie zum Beispiel besagte Freiwillige Feuerwehr Menden, die eigens eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet hat, um die Spendenbereitschaft der Bürger für ihr Mini-Einsatzfahrzeug anzufeuern. Nicht zuletzt bekommen die spendierfreudigen Bürger für ihre milde Gabe das gute Gefühl, etwas sehr Sinnvolles in ihrer eigenen Nachbarschaft unterstützt zu haben.

Wie die Finanzierung sowie der technologische Ablauf funktionieren, wie sich lokale Unternehmen über Prämien in die Content-Maschine einklinken können und wie die ersten Projekte gelaufen sind, lesen Sie in der aktuellen W&V.


Autor:

Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.