Diesel-Affäre :
Volkswagen droht Massenklage

VWkönnte erstmals den Erzrivalen Toyota als weltgrößten Autobauer überholen. Aber Zeit zum Feiern bleibt nicht - es droht eine Massenklage aus Deutschland. Wegen des Abgasskandals.

Text: Anja Janotta

Volkswagen hat rekordmäßig viele Fahrzeuge verkauft.
Volkswagen hat rekordmäßig viele Fahrzeuge verkauft.

Eigentlich hätte Volkswagen allen Grund, um sich zu freuen und die Sektkorken knallen zu lassen: Die Deutschen werden voraussichtlich den Erzrivalen Toyota als größter Autobauer weltweit abhängen können, wie das "Handelsblatt" meldet. Mit 10,2 Millionen verkauften Autos in 2016 rechnen die Analysten - mehr Fahrzeuge als der bislang weltgrößte Autobauer Toyota, der laut Schätzungen "nur" bei 10,1 Millionen liegen wird.

Doch die Diesel-Affäre sorgt immer noch für teure Nachwirkungen bei den Wolfsburgern: Nach dem kostspieligen Vergleich in den USA droht nun ähnliches in Deutschland. Das Portal MyRight will laut verschiedenen Medienberichten am 3. Januar des kommenden Jahres in Braunschweig eine Massenklage einreichen.

2,4 Millionen deutsche Fahrzeuge vom Abgasskandal betroffen

Das Unternehmen lässt sich - ähnlich wie eine Inkassofirma - von VW-Fahrern beauftragen, in ihrem Namen eine Klage zu formulieren. Die Prozesskosten übernimmt MyRight erst einmal selbst, will aber dann im Erfolgsfall eine Beteiligung von 35 Prozent. Bis zu 5000 Euro Entschädigung würden den Klägern pro Fahrzeug winken - wirbt die Plattform. Nach einem Bericht der ARD vom Juni hatten sich damals schon bei MyRights angeblich 100.000 Betroffene registriert. 2,4 Millionen Fahrzeuge sind hierzulande von dem Abgasskandal betroffen.

Ein Gerichtsferfahren selbst ist aber nur das letzte Instrument in dem angestrebten Klageweg. "Wir geben unser Bestes, damit Sie eine außergerichtliche Zahlung vom VW-Konzern bekommen" - verspricht das Portal auf der Website.

In Deutschland sind im Gegensatz zu den USA keine Sammelklagen zugelassen. Allein wegen der Praktikabilität dürfte die Plattform deshalb eine Vergleichslösung wie in den USA anstreben. Dort hatte sich der VW-Konzern auf die Zahlung einer Rekordsumme verständigt: 15 Milliarden Dollar muss der Autobauer an die Volkswagen-Kunden zahlen. Weitere Klagen, u.a. von mehreren US-Bundesstaaten, sind noch anhängig.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.