OWM - Der Vormittag :
"Vor der Kaffeepause noch etwas Sex"

Es geht weiter mit Mut, Essen und Sex, nachdem die OWM-Vorsitzende Tina Beuchler klar gestellt hatte, dass sie nicht der Weihnachtsmann ist.

Text: Rolf Schröter

Béatrice Guillaume-Grabisch nannte fünf "Game Changers" für die Lebensmittelindustrie.
Béatrice Guillaume-Grabisch nannte fünf "Game Changers" für die Lebensmittelindustrie.

Es geht weiter mit Mut, Essen und Sex, nachdem die OWM-Vorsitzende Tina Beuchler gegenüber BVDW und Screenforce klar gestellt hatte, dass die OWM nicht die Rolle des Weihnachtsmanns einnehmen will.

Erst mal Jens Lönneker. Der Geschäftsführer des Rheingold Salons erklärte, dass sich mit den sozialen Medien der private un der öffentliche Raum untrennbar miteinander verwoben haben. Um dann die für Marketiers relevante Frage zu stellen: Wie ist eine Differenzierung in diesem "pröffentlichen" Raum möglich? Es sei wichtig, so Lönneker, mit viel Mut gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen, dazu Stellung zu beziehen und mit ihnen zu spielen. "Seien Sie deutlich mutiger!" rief Lönneker dem Publikum zu. "Machen Sie Ihre Werbung zum Bestandteil der gesellschaftlichen Diskussion!"

Dann kam Béatrice Guillaume-Grabisch. Die CEO der Nestlé Deutschland AG nannte fünf "Game Changers" für die Lebensmittelindustrie: 1) Das Vertrauen der Verbraucher nimmt ab, 2) neue Konsumenten-Trends wie zum Beispiel "Frei von..." und Flexitarier, 3) die Geschäftsmodelle im Handel werden neu definiert, 4) die digitale Transformation von Unternehmen nimmt Fahrt auf und 5) die Bevölkerungsentwicklung: 0,9 Millionen neue Migranten allein im Jahr 2015.

Den Sex brachte dann Volker Sydow auf die Bühne. Der Global Category Director der Reckitt Benckiser Group in London, konzentrierte sich auf das Thema Kondome. "Vor der Kaffeepause noch etwas Sex - das ist doch angenehm", sagte Sydow und hatte damit schon mal die Aufmerksamkeit des Publikums sicher. Klar, bei dem Thema! Die Generation Z und der Sex zeigt eben auch viel über die Art, wie junge Menschen heute miteinander kommunizieren.

Elf Milliarden Tinder-Matches in 2016. 31 Prozent der 19- bis 29-Jährigen verabreden sich zum Sex über Snapchat. 68 Prozent der jungen Männer schauen Pornos. Zwölf Prozent der Befragten gehen an ihr Handy, wenn es während des Geschlechtsverkehrs klingelt. Egal, wo die Zahlen herkommen: Der Trend ist klar: Die Jugend ist mobil. Und das Fazit von Volker Sydow auch: Die Kommunikation muss vier Anforderungen genügen: 1) Sie muss eine zutiefst menschliche Wahrheit darstellen ("Human truth"). 2) Liefer' nur eine einzige Botschaft - aber sag' diese Botschaft laut, klar und wieder und immer wieder. 3) Sei frech und mutig. 4) Sei authentisch.

Na gut, diese Ratschläge mögen jetzt nicht unbedingt die allerneuesten Erkenntnisse im Marketing widerspiegeln. Und es bleibt dabei: Sex ist einfach ein dankbares Thema.

Aber nachdem Volker Sydow seine Ideen wie das Auberginen-Kondom und das Kondom-Emoji vorgestellt hatte und ganz stolz verkündete, dass für diese ganzen Maßnahmen "kein Mediageld ausgegeben" worden sei, da konnte man das als Zuschauer durchaus zwiespältig aufnehmen:

Einerseits: Klasse, wie man mit kreativen Ideen Earned Media schaffen kann!
Andererseits: Beängstigend, wie sehr die sozialen Medien den traditionellen Kanälen das Wasser abgraben können!
Aber zum Glück ging es in diesem Case ja nur um Sex...    

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Autor:

Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.