Automobil-Design und Markenpositionierung :
VW-Konzern-Designchef Michael Mauer: "Goldenes Zeitalter bricht an"

Car-Sharing, E-Mobilität - was bleibt denn übrig, wenn Autos gevielteilt und mit Strom zum Verstummen gebracht werden? Dann beginnt ein "goldenes Zeitalter für Designer", prophezeit Michael Mauer.

Text: Rolf Schröter

Michael Mauer, Leiter Design Porsche und Volkswagen-Konzern
Michael Mauer, Leiter Design Porsche und Volkswagen-Konzern

Michael Mauer ist nicht nur Designchef von Porsche. Er ist gleichzeitig im Volkswagen-Konzern für die Gestaltung der zwölf Marken verantwortlich, darunter Audi, Bugatti, Lamborghini und Škoda. Interessante Zeiten für Michael Mauer und seine Kollegen in den Designzentren des Weltkonzerns. Denn technische Entwicklungen wie Elektroantrieb, Autonomes Fahren, Vernetzung und Car-Sharing beeinflussen radikal das Aussehen der Fahrzeuge und damit über die erfahrbare Wirklichkeit auch die Positionierung von Marken.

Werden manche Marken im Volkswagen-Konzern künftig auf Sharing-Funktionen im öffentlichen Raum hin entwickelt, während andere Marken den Luxus des persönlichen Fahrens betonen werden? "Hier wird sich zum ersten Mal der Vorteil eines derart diversifizierten Mehrmarkenkonzerns herausschälen", prophezeit Mauer. "Wir haben nicht nur die Möglichkeit, mit den Marken in unterschiedlichen Geschwindigkeiten voranzugehen, wir können zudem Marken in unterschiedliche Richtungen entwickeln und bewegen." Aus Sicht von Mauer ist das ein klarer Vorteil, denn: "Künftig werden Marken viel klarer positioniert werden können."

Was meint Michael Mauer mit "unterschiedlichen Geschwindigkeiten"? Natürlich könnte man Autos auf den Markt bringen, die eine radikal andere Form aufweisen. Aber: "Wenn wir das Design verändern, müssen wir die Kunden mit auf die Reise nehmen", so Mauer. "Nur: Wie schnell nehme ich Kunden mit auf die Reise?" Das müsse man markenindividuell betrachten. Ist alles sinnvoll, was technisch möglich ist? "Aus der Perspektive der Marke sage ich: Nein", so Mauer.

Neue Freiheiten in der Gestaltung

Der Designchef von Porsche spricht von "etablierten Sehgewohnheiten". Beispiel: die Motorhaube. Die Länge der Motorhaube hat ihren Ursprung in der Technik. Sie zeigte, ob sich unter ihr ein Zwölfzylinder, Sechszylinder oder Dreizylinder-Aggregat befindet. Mittlerweile jedoch, so Mauer, gehe es um Prestige. "Wir Designer sprechen auch vom 'Prestige-Maß' - das ist der Abstand vom vordersten Punkt des Autos bis zur Türfuge". Dieses Maß wird nicht mehr von der Technik vorgegeben.

Die neuen Freiheiten in der Gestaltung schaffen neue Möglichkeiten, Marken zu positionieren. "Ich glaube, dass das goldene Zeitalter für Designer erst beginnt", sagt Michael Mauer. "Und ich wundere mich, dass manche Firmen zwar Designer beschäftigen, aber so wenig nutzen."

Wie das Design die Wahrnehmung beeinflusst, warum das Thema Sound völlig überbewertet wird und welches Wort Porsche am treffensten charakterisiert, lesen Sie im großen Interview mit Michael Mauer in der aktuellen W&V Nr. 35/18.


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Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.