Interview mit Crossmedia-Chef Markus Biermann :
VW-Werbung: "Alles stoppen und die Klappe halten"

Volkswagen ist einer der größten Werbekunden Deutschlands. Sollen die Kampagnen jetzt so weiterlaufen wie geplant oder muss in der Krise eine neue Strategie her? Ein Klartext-Interview mit Mediaagenturchef Markus Biermann.

Text: Sebastian Blum

- 2 Kommentare

Streitbar, meinungsstark und unabhängig: Markus Biermann, Chef und Gründer von Deutschlands drittgrößten inhabergeführten Mediaagentur Crossmedia, ist ein Freund klarer Worte. In der aktuellen Media-Debatte um Kickbacks und Trading-Deals setzt er auf Transparenz beim Media-Einkauf (W&V 38/2015). W&V Online hat ihn zur VW-Affäre befragt.

Herr Biermann, fahren sie einen VW? Würden Sie sich aktuell einen Neuwagen aus Wolfsburg bestellen?

Nein, ich fahre keinen VW. Ich fühle mich persönlich betrogen. Um ein Leitbild. Um ein Symbol von Glaubwürdigkeit, und auch um Reputation.

Mitten in der Diesel-Affäre hat VW bisher Werbeclips und Native Ads gelöscht. Wird VW seinen Werbedruck senken?

Tatsächlich würde ich empfehlen, alles zu stoppen, die Klappe zu halten und kleinlaut zu Kreuze zu kriechen. Aber halt, die Erfahrung sagt leider etwas anderes: Weitermachen wie bisher. Hat doch eh jeder Dreck am Stecken. Und morgen kommt der nächste Eklat, der die Ereignisse in den Hintergrund rückt. 

Ihre Einschätzung als Media-Experte: Welche Strategie würden Sie VW in Deutschland verordnen?

Auch wenn es nicht zwingende Voraussetzung ist, als Experte Neutralität zu besitzen, so muss ich doch hier einschränken, dass ich diese in Bezug auf das aktuelle Thema nicht besitze. Dass VW betrügt, sorgt für eine Diskreditierung, die man nicht unterschätzen sollte. Nur wer den eigenen Laden sauber hält, kann bei der Gestaltung der Regeln und damit der Zukunft mitreden.

Beschädigt die VW-Affäre das Image der anderen deutschen Autohersteller? Müssen BMW, Mercedes jetzt auch mehr werben?

Es kommt darauf an, ob VW hier die Spitze des Eisbergs ist und sich weitere deutsche Hersteller die Blöße geben, Ingenieurskunst mit Betrug verwechselt zu haben. Falls das der Fall sein sollte, schwant mir Böses für die Zukunft. 


2 Kommentare

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Anonymous User 25. September 2015

Danke für die Ehrlichkeit! Es gibt noch neutrale Meinungen. Auf anderen "gekauften" Nachrichtenseiten wird schon nach unglaublichen 3 Tagen alles wieder verhamlost und entschuldigt. Aber die Konzequenz daraus ist, dass im Untergrund Winterkorn weiterhin der Strippenziehen (Der Pate) in dieser legalisierten Konzernmafia bleibt. Warum ist man nicht ehrlich und spricht genau diese Worte aus. VW=VerbrecherWolfsburg :-). Nicht ohne Grund bemängeln Kritiker, die noch nicht Mundtod gemacht wurden, dass VW natürlich nur die Schmierereien zugibt, die nach einem langen Zeitintervall aufgedeckt wurden.

Anonymous User 25. September 2015

Interessant ist der letzte Kommentar von Herrn Biermann - das trifft auf die Mediaagenturen schließlich in einigen Fällen auch zu (Mediakompetenz mit Betrug zu verwechseln, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht). Hier meine ich allerdings ausdrücklich NICHT die Agentur von Herrn Biermann!

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