Kommentar zum AfD-Wahlkampf :
Warum die AfD nie vom Wutbürger-Image loskommen wird

Der AfD-Wahlkampf läuft chaotisch: Neben Flügelkämpfen hat die Partei mit einem Grunddilemma zu kämpfen, das sich nicht auflösen wird.

Text: Markus Weber

Parteichefin Frauke Petry mit Sohn: In der AfD setzt man große Hoffnungen auf das Plakat.
Parteichefin Frauke Petry mit Sohn: In der AfD setzt man große Hoffnungen auf das Plakat.

Thor Kunkel, der geheimnisumwitterte Creative Director, der sich derzeit von der Hauptstadt aus um die AfD-Kampagne kümmert, hat im Vorfeld der Wahl am 24. September ein großes Ziel. Er möchte die Alternative für Deutschland gern wegbringen von ihrem Miesepeter-Image. Nicht zuletzt das macht die Partei nämlich für weite Teile der Bevölkerung unattraktiv. Wer wählt schon gerne eine politische Gruppierung, welcher hartnäckig der Ruf anhaftet, eine Partei der Frustrierten zu sein.

Das viel diskutierte Plakat mit Frauke Petry und ihrem gut zwei Monate alten Baby soll im bislang chaotisch verlaufenden AfD-Wahlkampf die Stimmung endlich zum Besseren wenden.

Der Vorwurf, die Parteichefin instrumentalisiere ihren Sohn für politische Zwecke, dürfte in der Partei die meisten eher kaltlassen. Denn Petry ist nicht die erste, die das tut.

Das Kalkül dahinter ist klar. Die AfD will endlich mal dastehen als eine Partei, die FÜR etwas steht und nicht immer nur GEGEN alles. Sprich: Kämpfen FÜR ein besseres Deutschland. Die Geburt eines Kindes ist außerdem ja ein Ereignis, worüber man sich generell immer freut.

Das Motiv soll in den kommenden Wochen bundesweit als Großflächenplakat zu sehen sein.

Aber ob die Rechnung aufgehen wird, ist mehr als ungewiss. Denn mit Gefühlen wie Freude, Optimismus und Zuversicht ("Wir schaffen das") ist das so eine Sache in einer Partei, deren Anhänger das Abendland seit Sommer 2015 mitten im Untergang wähnen.

Das Grunddilemma der AfD besteht nämlich in der Tat darin, dass sie von Anfang an stets gegen ALLES stand: gegen den Euro, gegen die EU, gegen Einwanderung, gegen den Mainstream, gegen die Medien, gegen den Islam. Das einzige, wofür die Partei steht, ist, dass man gerne das Deutschland aus dem Jahr 1990 wieder haben will.

Doch um dorthin zurückzugelangen, bräuchte man eine Zeitmaschine. Es ist schlicht und einfach nicht möglich. Man kann sich Historie nicht einfach so zurückwünschen. Natürlich war dieses Deutschland aus dem Jahr 1990 noch ein völlig anderes Land: Es gab damals noch kein Internet; inzwischen längst abgestorbene Industriezweige waren noch am Leben; Aufwendungen für Korruption waren für Betriebe noch steuerlich absetzbar; Homosexuelle waren gesellschaftlich geächtet. Wir könnten die Liste endlos weiterführen.

Nur der Islam, der gehörte übrigens schon damals zu Deutschland (jedenfalls in der alten BRD).

Nein, die AfD wird von ihrem Miesepeter-Image nie loskommen. Es ist Teil ihrer DNA.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.